Am Ende war der Jubel grenzenlos: Viel zu viele Spiele musste die TBB darauf warten, dass der von Henrik Rödl vielzitierte Knoten platzen würde. Heute abend war es soweit, 1,9 Sekunden vor Ende der Partie sprang Maik Zirbes ab und hämmerte den Ball durch den Bonner Korb. Sein Aufbauspieler Dru Joyce hatte ihn trotz heftiger Bonner Gegenwehr passgenau in Zirbes' Hände gelegt. Als der Center wieder auf dem Parkett ankam stand es 71:70 - und der letzte Bonner Versuch von Jared Jordan ging daneben. Die Arena glich minutenlang einem Tollhaus, 4162 Zuschauer feierten Zirbes, Joyce und die TBB.
Dass es so eng werden musste, war einem Gegner geschuldet, der über weite Strecken zwar systematischer als die TBB agierte, dafür aber auch weniger bissig war und die "big points" liegen ließ.
Die machte dafür die TBB - wie zum Beispiel die beiden Dreier von James Washington, die zum 25:20 und zum 50:50 jeweils genau im richtigen Moment kamen. Wie die Punkte von Dragan Dojcin in der Anfangsphase, die der TBB einen starken Start gegen Bonn ermöglichten - neun Punkte hatte der serbische TBB-Kapitän am Ende auf dem Zettel, lieferte zudem eine starke Defensivleistung gegen Bonns Tony Gaffney (vier Punkte) ab. Und schließlich die Dunkings von Maik Zirbes, der Liga-Dino Chris Ensminger phasenweise älter aussehen ließ als er ist - bis er schließlich seine Leistung mit dem oben erwähnten Schlusspunkt krönte.
Die TBB war stark gestartet, hatte von Beginn an gezeigt, wie wichtig diese Partie für ein Team ist, das auf dem 17. Platz steht und aus den letzten fünf Spielen keine Punkte holen konnte. Bis auf 14:10 konnte Trier sich im ersten Viertel absetzen, dann gelang Bonn mit der Pausensirene durch den Litauer Simonas Serapinas die 14:15-Führung.
Auch im zweiten Viertel hielt Trier den Druck und die Konzentration aufrecht, der für Philip Zwiener in die Partie gekommene John Bynum macht mit einem schönen coast-to-coast-Dribbling das 22:18, wenig später trifft sein Kollege Washington zum 25:20. Dru Joyce erhöht im Alleingang auf 27:20, Philip Zwiener trifft zum 30:23 - die TBB schien sich allmählich von Bonn zu lösen, die Telekom Baskets spielten zwar ihre Systeme, doch es fehlte der Biss im Rebound, oder das letzte bisschen Energie gegen eine harte Trierer Verteidigung. Es war Bonns Neuzugang Talor Battle, der sich in diesem Abschnitt heftig wehrte, sechs Punkte in Folge gelangen dem US-Amerikaner. Dann verwarf er zwei Freiwürfe - symptomatisch für das Bonner Spiel vor der Halbzeit, 34:30 der Stand zur großen Pause.
Bonn kommt stark aus der Kabine, Jared Jordan trifft gleich zum Einstand einen Dreier, Chris Ensminger kann am Brett nachlegen. Die Trierer Führung ist im Begriff zu schmelzen, als Maik Zirbes zum ersten Mal gegen Chris Ensminger´zum wuchtigen Dunk ansetzt und zum 41:37 trifft. Wieder schien Bonn den Faden zu verlieren, Serapinas kassiert ein technisches Foul wegen einer verbalen Auseinandersetzung mit Philip Zwiener, James Washington verwandelt unbeeindruckt von den Emotionen in der Arena Trier die fälligen zwei Freiwürfe, wieder führt Trier mit sechs. Doch Bonn kontert eiskalt, Ensminger mit Dreipunktspiel und vor allem Benas Veikalas mit zwei Dreiern in Folge. Beim Stand von 47:50 verteidigen die Gäste zudem die Trierer Angriffsuhr weg - es lief für Bonn, die mit dieser Drei-Punkte-Führung in die letzte Viertelpause gingen.
Und diesmal behielt Bonn die Nerven, nach dem Dreier von Washington zum 50:50 lief für Trier zunächst nicht mehr viel zusammen, die Baskets brachten den Ball jetzt entweder ans Brett zu Chris Ensminger oder trafen aus der Distanz, waren wieder auf 56:62 weg. Die Uhr lief gegen Trier.
Doch die TBB kam mit dem Druck zurecht, hatte sich jetzt mit der besseren Bonner Verteidigung abgefunden. Nate Linhart trifft für drei, kurz danach gleicht Dragan Dojcin, hart am Schrittfehler, mit einem ganz wichtigen Dreier zum 64:64 aus. Das ganz enge Finish bahnte sich an, auch hier sah Bonn zunächst wie der sichere Sieger aus. Es sind noch 18 Sekunden, Bonn kommt beim Stand von 69:67 aus der Auszeit - und Benas Veikalas trifft den tödlichen Dreier, sträflich frei und ohne Foul. 69:70, Sekunden vor dem Ende.
Dru Joyce tat daraufhin das, was sie in Trier von ihm sehen wollen, und was in letzter Zeit leider nicht immer funktionierte: Er suchte mit einem Auge auf der Uhr den Abschluss, bereit selbst zu gehen oder auf den besser postierten Mann abzulegen - alles oder nichts in der Arena Trier. Zirbes steht goldrichtig, der Rest ist bereits erzählt: Ensminger lässt ihn gewähren, das Spiel ist mit 71:70 gewonnen, der Knoten geplatzt.
Trier bleibt zwar auf Platz 17, ist aber nur noch durch den verlorenen direkten Vergleich gegen die GIESSEN 46ers vom rettenden Ufer getrennt - eine deutlich bessere Ausgangsposition für das nächste Auswärtsspiel in Oldenburg.
(Foto: Thewalt)
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