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Arbeit

Arbeitsbedingungen: Welche Unterschiede gibt es zwischen Grenzgängern und Luxemburgern?

Die CSL beobachtet, dass es eine Reihe von Unterschieden gibt, zum einen zwischen den Grenzgängern aus den drei Nachbarländern, aber auch im Vergleich zu den ansässigen Arbeitnehmern, was die Beurteilung der Arbeitsbedingungen und des Wohlbefindens angeht.

Veröffentlicht par Eddy Thor die 03/06/2022 | 4.510 Ansichten

Im Jahr 2021 haben durchschnittlich 212.000 Grenzgänger in Luxemburg gearbeitet.
Abgesehen von den demografischen Unterschieden zwischen den in Luxemburg ansässigen Arbeitnehmern und denjenigen, die aus den Grenzländern zur Arbeit kommen, z. B. in Bezug auf Geschlecht oder Qualifikationen, wie sieht es mit der Bewertung der Arbeitsbedingungen und des berufsbedingten Wohlbefindens aus?

Für diese Analyse stützt sich die CSL auf die Daten der Jahre 2014 bis 2021 aus der Studie Quality of Work – einer repräsentativen Umfrage unter luxemburgischen Arbeitnehmern.

Zahlen zur Demographie

Nach Berechnungen der Statistikbehörde Statec (April 2022) pendelten im Jahr 2021 durchschnittlich 212.000 Arbeitnehmer aus dem Grenzgebiet nach Luxemburg, um dort zu arbeiten.
Davon kamen etwa 112.500 aus Frankreich, 49.500 aus Belgien und 50.000 aus Deutschland.

Von den 246.000 Einwohnern hatten 121.000 die luxemburgische Staatsangehörigkeit (49 %).
Betrachtet man die IGSS-Arbeitsmarktdaten (2021-T1), zeigt sich, dass die in Luxemburg ansässigen Arbeitnehmer zu 55% Männer und zu 45% Frauen sind.

Mehr Männer als Frauen bei Grenzgängern

Bei den Grenzgängern ist der Anteil der Männer höher als der Gesamtdurchschnitt: 63 % bei den in Frankreich ansässigen Arbeitnehmern und sogar 67 % bei den Arbeitnehmern aus Belgien und Deutschland.

Das Durchschnittsalter liegt bei 40,6 Jahren. Personen, die aus Deutschland pendeln, sind im Durchschnitt 42 Jahre alt, während Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Luxemburg sowie Grenzgänger aus Frankreich und Belgien zwischen 40 und 41 Jahre alt sind.

Luxemburg als Land der Nationen

Den im Rahmen der Umfrage erhobenen Daten zufolge haben nur 31 % der in Luxemburg arbeitenden Personen (einschließlich Grenzgänger) auch die luxemburgische Staatsangehörigkeit. Etwas mehr als ein Viertel hat die französische Staatsangehörigkeit (26%), 9% haben die portugiesische Staatsangehörigkeit und ein Zehntel hat die deutsche (10%) oder belgische (12%) Staatsangehörigkeit. Etwa 3% haben die italienische Staatsangehörigkeit; die restlichen 10% gehören anderen Nationen an.

Auch die französischen, belgischen und deutschen Pendler haben zu einem großen Teil die Staatsangehörigkeit des Landes, in dem sie wohnen. Auffällig ist, dass etwa 9% der Luxemburger in Deutschland wohnen und nach Luxemburg pendeln, um dort zu arbeiten.

Unterschiede beim Bildungsniveau

In der gleichen Umfrage wurde das Bildungsniveau erfragt und nach ISCED-Bildungsstufe kategorisiert.
Es zeigt sich, dass das Bildungsniveau der in Luxemburg arbeitenden Arbeitnehmer durch eine hohe Qualifikationsstruktur gekennzeichnet ist (Abbildung unten).
Die Grenzgängerströme spiegeln die Besonderheiten der Arbeitskräfte und der Bildungssysteme der Herkunftsländer wider.

So ist der Anteil der Beschäftigten mit einer Handwerker- oder Technikerausbildung (ISCED 5: Kurze tertiäre Bildung) mit 10% unter den französischen
Grenzgängern überdurchschnittlich hoch.
Mehr als ein Drittel (35%) der Grenzgänger aus Deutschland geben an, als höchsten Bildungsabschluss ein Abitur oder einen Abschluss
der allgemeinen Sekundarstufe zu haben.
Im Gegensatz dazu hat mehr als die Hälfte der Grenzgänger aus Belgien einen Abschluss im Tertiärbereich (61% haben die ISCED-Stufe 6,
7 oder 8), während dies nur für 52% der Franzosen, 41% der Deutschen und 54% der Luxemburger gilt.
Der Anteil der Arbeitskräfte, die eine duale Ausbildung (ISCED 4: Postsekundarer Bereich) absolviert haben, schwankt zwischen 5% (Belgien) und 8% (Frankreich).

 

 

Eine Differenzierung zwischen den in Luxemburg ansässigen Arbeitnehmern und den Grenzgängern aus den angrenzenden Regionen verdeutlicht die Unterschiede in der Berufsstruktur.
Zwei Fünftel der Grenzgänger aus Belgien und der Beschäftigten mit Wohnsitz in Luxemburg arbeiten im Bereich der akademisch ausgebildeten Fachkräfte.
Im Ver gleich zu den anderen Wohnorten liegen die Grenzgänger aus Deutschland hingegen mit den höchsten Anteilen an Beschäftigten, die mittlere Berufe ausüben (24%), und Handwerkern (12%) vorn.

Home-Office-Vorteil für Luxemburger

Die Ausübung eines bestimmten Berufs hat ebenfalls Auswirkungen auf die Möglichkeiten zur Telearbeit.
Abbildung 2 zeigt, dass im Jahr 2020 vor allem in Luxemburg ansässige Arbeitnehmer in den Genuss von Home-Office kommen.
Im Jahr 2021 können wir beobachten, dass die Grenzgänger fast aufgeholt haben, mit einem Anstieg von 15% bei den französischen Grenzgängern (38%), 5% bei den deutschen Grenzgängern (33%) und 10% bei den belgischen Arbeitnehmern (37%).
Die Nutzung von Telearbeit bei in Luxemburg ansässigen Arbeitnehmern bleibt mit 42% stabil (40% im Jahr 2020).

 

 

Psychosoziale Bedingungen am Arbeitsplatz nach Wohnsitzland

Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Deutschland berichten durchgehend von höheren psychischen Anforderungen.
Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Frankreich nennen überdurchschnittliche Werte für die körperliche Belastung und das Risiko von Unfällen oder Krankheiten am Arbeitsplatz.
In Luxemburg lebende Arbeitnehmer berichten dagegen über ein unterdurchschnittliches Maß an Zeitdruck.

Arbeitsplatzqualität nach Wohnsitzland – Deutsche zufriedener als Franzosen

Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Luxemburg oder Deutschland weisen durchgehend überdurchschnittliche Werte bei der Einkommenszufriedenheit auf.
Dagegen weisen Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Frankreich unterdurchschnittliche Werte bei der Einkommenszufriedenheit, der Arbeitsplatzsicherheit und der Wahrnehmung von Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten auf.

Wohlbefinden und Arbeitsqualität in Abhängigkeit vom Wohnland

Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Frankreich weisen durchgehend unterdurchschnittliche Werte für den QoW-Index (der die allgemeine Arbeitsplatzqualität misst) und überdurchschnittliche Werte für Burnout und Gesundheitsprobleme auf.

In Luxemburg ansässige Arbeitnehmer weisen dagegen überdurchschnittliche Werte für den QoW-Index und die Arbeitszufriedenheit auf.
Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Deutschland weisen durchgehend unterdurchschnittliche Werte für die Arbeitsmotivation und das allgemeine Wohlbefinden auf.

Was ist zu beachten?

Die CSL stellt fest, dass es eine Reihe von Unterschieden gibt, zum einen zwischen den Grenzgängern aus den drei Nachbarländern, aber auch im Vergleich zu den ansässigen Arbeitnehmern, was die Bewertung der Arbeitsbedingungen und des Wohlbefindens betrifft.

Die Erklärung für diese Unterschiede ist jedoch nicht allein auf das Herkunftsland oder die geografische Entfernung der Arbeit zurückzuführen, was eine zu einfache und unzureichende Interpretation wäre.

Die Bewertungen der Arbeitssituation hängen in erster Linie von der Art der Arbeit selbst ab, und wir haben im ersten Teil der Analyse gesehen, dass die Verteilung der Qualifikationsniveaus und Berufsgruppen unter den Arbeitnehmern in den vier Ländern ungleichmäßig ist.

So sind Arbeitnehmer mit einer akademischen Ausbildung anderen Anforderungen am Arbeitsplatz ausgesetzt als Pflegekräfte im Gesundheitswesen oder Handwerker im Baugewerbe.

Auffällig ist auch, dass der Anteil der Männer unter den Grenzgängern viel höher ist, was darauf hindeutet, dass in vielen Familien nach wie vor der Mann das höchste Familieneinkommen erzielt und Frauen dazu tendieren, die Hauptlast der Kinderbetreuung und des Haushalts zu übernehmen und somit der Nähe des Arbeitsplatzes zum Aufenthaltsort (Kindergarten oder Schule) der Kinder mehr Bedeutung beimessen.

Die aktuelle Ausgabe der “Better Work” gibt es hier.

Die CSL setzt sich für die Entwicklung von Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz ein. Ein Teil ihrer Aktivitäten ist der Förderung und Entwicklung einer Präventionskultur und der Verbesserung von Maßnahmen zur Förderung von Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz gewidmet.

PR-Bericht von

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