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Finanzen

Index verzögert sich

Statistikbehörde korrigiert Zahlen nach unten und rechnet im dritten Quartal mit der nächsten Indextranche

Veröffentlicht par KaptanListe die 09/11/2017 | 6.955 Ansichten

Die Inflation in Luxemburg flaut ab.
Die luxemburgische Statistikbehörde Statec hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie ihre Prognose für das laufende Jahr auf 1,7 Prozent und für das kommmende Jahr sogar auf nur 1,4 Prozent korrigiert.
Vor wenigen Monaten war noch von 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum für 2018 die Rede (1,8 Prozent für das laufende Jahr).

Hintergrund für die Korrektur der Inflationsprognose ist Statec zufolge in erster Linie die Reform der “Chèque Service”.
Durch die Erhöhung der Wertschecks werden Eltern finanziell bei der Kinderbetreuung unterstützt.

Hatte die Behörde im August unter Berufung auf stabile Ölpreise mit einer Indextranche im zweiten Quartal des kommenden Jahres gerechnet, geht man nun vom dritten Quartal 2018 aus.

Eigentlich ist für eine Lohnerhöhung durch den Index eine Inflationsrate von 2,5 Prozent notwendig.

Hintergrund

Mit dem Index sollen die Löhne an die Inflation angepasst werden. Der “Index” oder auch “gleitende Lohnskala” ist also die gesetzlich festgelegte, automatische Anpassung der Löhne und Gehälter an die Preisentwicklung.
Jedes Mal, wenn der Verbraucherpreisindex im gleitenden Semesterdurchschnitt um 2,5% angestiegen oder gefallen ist, werden die Löhne und Gehälter, aber auch Renten, Ausbildungsvergütungen, Familienzulagen, garantiertes Mindesteinkommen (RMG) usw., um 2,5% angepasst. Der Index wird zwar von Arbeitnehmern gerne gesehen – ist aber auch nicht ganz unkritisch zu betrachten. Da er noch nicht gedeckelt ist, ist es egal, wieviel ein Arbeitnehmer bereits verdient. Das bedeutet, dass hohe Einkommen noch mehr anwachsen, als niedrige Löhne.  

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Anderswo im Internet

rollenderrubel
378 Kommentare
Vor 3 Jahren

Der Index "verzögert" sich nicht. Es gibt keinen festen Zeitpunkt für die nächste Tranche, sie kommt halt, wenn die Inflation entsprechend gestiegen ist. Er kann sich gar nicht verzögern. Das ganze Gerede in den Kommentarspalten von lessentiel.lu und so weiter, von wegen "die Regierung schuldet uns noch mindestens drei Indextranchen", das ist totaler Schwachsinn. Es gab und gibt halt nur wenig Inflation.

Grenzgaenger2014
180 Kommentare
Vor 3 Jahren

Bei diesem Thema ist Vorsicht geboten, gleich kommt Vera79 ;-).

info
2795 Kommentare
Vor 3 Jahren

Naja, das liegt schon daran das die Regierung den Warenkorb zur Bestimmung der Inflationsrate mehrfach so umgestrickt hat das die Kostentreiber draussen waren.
Als Beispiel, Energie ist teuer = raus damit. Energie verbilligt sich = rein damit in den Warenkorb.

Und zu den Aussagen das die Regierung Tranchen schuldet gibt es durchaus belastbare Fakten, dabei wurde der ursprüngliche Warenkorb einfach unverändert weiter berechnet und daraus ergibt sich die Differenz.

Vera79
1008 Kommentare
Vor 3 Jahren

Wenn ich soooo lieb gebeten werde darf mein Senf natürlich nicht fehlen. Schliesslich ist das ja nicht das GrenzgängerARBEITNEHMERforum :-)

1. Statec erstellt den Index, nicht die Regierung :-) Und Statec unterliegt den Regeln von Eurostat.
2. Der Warenkorb wurde immer, auch während der "guten" Jahre, angepasst. Das ist ein völlig normaler Vorgang
3. Wie soll ein Unternehmen die Mehrkosten erwirtschaften? Das ist nicht nur der LOHN sondern auch immer entsprechend die LOHNNEBENKOSTEN ...

info
2795 Kommentare
Vor 3 Jahren

Statec macht nur die Datenerfassung und Berechnung, der Rest ist Tripartite und folglich auch Politik.

Bestes Beispiel für politische Entscheidungen ist wohl das Jahr 2012. Aber auch die Jahre 2008 und 2009 sind hier zu benennen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Indexlohn#cite_note-4infogate.iee.lu/metadot/index.pl

Vera79
1008 Kommentare
Vor 3 Jahren

Stimmt, und über die Tripartite sind die AN ja mit am Tisch.
Aber nochmal meine Frage: Wie soll ein Unternehmen die Mehrkosten erwirtschaften?
Kosteneffizienz? Oder weiterreichen der Mehrkosten an den Kunden ...was, verflixt, zur weiteren Teuerung beitragen würde?

info
2795 Kommentare
Vor 3 Jahren

@vera79

Du bist doch Unternehmerin in einem EU Land und solltest daher als Unternehmerin die Vorgaben der EU Zentralbank kennen. Das Ziel ist eine Inflationsrate von knapp unter 2% und das bedeutet das du dein Geschäftsmodell dauerhaft darauf auslegen musst damit zu leben. Denn die Spirale mit den knapp 2% soll niemals enden. Ansonsten wird ein Mitbewerber der es kann deine Kunden übernehmen.

Zitat Wiki zur Zentralbank
"Das vorrangige Ziel ist die Gewährleistung der Preisniveaustabilität in der Eurozone; spezifiziert ist diese als Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter, aber nahe zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr."

Lux2015
132 Kommentare
Vor 3 Jahren

@vera79:
die Mehrkosten sind ja auf Arbeitnehmerebene schon längst entstanden - der Index ist eine nachträgliche Angleichung des Lohnes an die REALE Inflation.
Die Unternehmen haben ZUVOR die Preise der Produkte/Dienstleistungen erhöht

PsstGeheim
699 Kommentare
Vor 3 Jahren

ach ja, die Inflation, so ein richtiges Henne-Ei-Problem:
wer hat irgendwann damit angefangen, wollte zuerst ein Arbeitnehmer mehr Geld oder hat zuerst ein Arbeitgeber (Produzent) einen Preis erhöht, oder war es im Endeffekt doch die steigende ungedeckte Geldmenge oder der Nachfragesog oder der Angebotsdruck ?
man kann sich hierzu trefflich kaputtdiskutieren ;-)

PsstGeheim
699 Kommentare
Vor 3 Jahren

Nur darf man nicht vergessen, dass der Arbeitnehmer in Deutschland wieder und wieder um seinen Inflationsausgleich (in Form höherer Tarifverträge) kämpfen muss, während es in Lux schön automatisch, wenn auch mal mehr und mal weniger regelmäßig, auf dem Konto landet.
Ansonsten hast du natürlich recht, Inflationskörbe sind halt Statistik, und die biegt man solange, bis sie passt ;-)

Vera79
1008 Kommentare
Vor 3 Jahren

Naja, ob das Lohnsystem in D arbeitnehmerfreundlicher ist glaube ich nicht, da in L der Mindestlohn (qualifizierter und unqualifizierter) schon relativ hoch ist und doch über dem deutschen Lohnniveau liegt.
Ich würde als AG eben gerne selber mit meinen Mitarbeitern entscheiden wer wann ggfs. wieviel mehr bekommt und eben nicht mit dem Gießkannenprinzip verteilen. Anreizsysteme werden dadurch stärker beeinträchtigt.

info
2795 Kommentare
Vor 3 Jahren

In der Tat muss ich zustimmen, bei einigen Grenzgänger ist es eher zu einer Religion geworden als eine rationale Entscheidung in Luxemburg zu arbeiten.

Hier kann jeder nachlesen das man in Luxemburg zuerst mal mehr Arbeitstage und Arbeitsstunden pa machen muss und man eigentlich beide netto Einkommen durch die zu leistende Arbeitszeit teilen muss um einen Vergleich zu ermöglichen. Was dann noch übrig bleibt ist dem Mehraufwand beim Pendeln gegenüber zu stellen.

http://wko.at/statistik/eu/europa-arbeitszeit.pdf

Auf der anderen Seite und zum Thema:
Index ist KEINE Lohnerhöhung sondern ein Inflationsausgleich, es ist natürlich allen Arbeitgeber in Luxemburg freigestellt tatsächliche Lohnerhöhungen frei und flexibel selbst zu vereinbaren.

Der Index in Luxemburg hat das verhindert was in Deutschland zwischen 2001 und 2011 passiert ist und jeder hier nochmal durchlesen kann:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-02/grafik-realloehne-steigen-boeckler

PsstGeheim
699 Kommentare
Vor 3 Jahren

Grundsätzlich stimme ich bust zu, dass viele sich in die eigene Tasche lügen, wenn es darum, welchen Preis man zahlt in Lux.

Aber bei der Rechnung sollte man einen wichtigen Punkt beachten. Das wesentlich höhere Rentenniveau, welches man sich nach derzeitiger Gesetzgebung in Luxemburg erarbeitet.

PS: Und die Bandauftritte gehören meiner Meinung nach nicht unbedingt in die Rechnung ;-)

info
2795 Kommentare
Vor 3 Jahren

Mit Verlaub das ist in der Logik nicht zu machen.

Es gibt in beiden Länder zwei Gruppen:
1. Tariflich organisiert.
2. Nicht tariflich organisiert.

Vergleichen wir das mal:
Die tariflich organisierte Gruppe in Luxemburg hat eine bessere Gehaltsentwicklung als in Deutschland, hier kommen die Faktoren Index und Tariferhöhung in Summe zum tragen.

Die tariflich nicht organisierte Gruppe in Luxemburg konnte wenigstens ein keines Plus erziehlen, die nicht organisierte Gruppe in Deutschland musste hingegen reale Einkommensverluste hin nehmen.

Übrigens noch zum Rentensystem, die Jungen fallen bereits unter die geänderten Gesetze, da sind die Weichen also schon seit Jahren gestellt und man muss nicht mehr spekulieren was in 30 Jahren passieren könnte, es ist ja veröffentlicht was beschlossen wurde.

info
2795 Kommentare
Vor 3 Jahren

Ich stelle mir gerade die Frage warum man diese tolle Situation in Deutschland dann hier nicht sieht:
https://www.laenderdaten.info/durchschnittseinkommen.php

Und btw, ich bin auch der Meinung das man im Bezug auf Renten keine 30 Jahre in die Zukunft blicken kann, allerdings braucht man in Deutschland diese Zeitspanne auch nicht um zu erkennen das da Hopfen und Malz verloren ist.