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Finanzen

So können Luxemburg-Pendler Steuern sparen

Arbeiten im Home-Office hat während der Corona-Pandemie die Runde gemacht. Vor allem Grenzgänger stellen sich vermehrt die Frage, ob sie zusätzliche Steuern zahlen müssen, wenn sie häufiger daheim arbeiten.

Veröffentlicht par AymericHenniaux die 22/11/2022 | 2.489 Ansichten

Steuern sparen mit Überschreitung der 19-Tage-Regel? Wir verraten, wie es geht.

Ok – ein Home-Office auf dem Wohnzimmer-Sofa ist als heimisches Arbeitszimmer steuerlich nicht abgedeckt. Doch wer ans Arbeiten von zu Hause aus denkt, der wird sicher im Zusammenhang damit nicht gleich an seine Steuererklärung denken… Und doch hat der Arbeitsort einen erheblichen Einfluss darauf, wie viel Steuern man zahlen muss. Durch die Corona-Pandemie ist das Home-Office bei vielen Beschäftigten in den Fokus gerückt“

Aber was heißt das, arbeiten im Home-Office?

Allgemein ist ein Arbeitszimmer ein als Büro genutzter, abschließbarer Raum im eigenen Heim. Dafür können Beschäftigte in Deutschland bei der Steuer höchstens 1.250 Euro geltend machen. Ein Raum außerhalb, womöglich zusätzlich angemietet, ist dagegen nicht absetzbar. „Wer aber überwiegend im Home-Office arbeitet, kann sogar einen unbeschränkten Betrag bei der Steuer geltend machen“, sagt der Steuerfachmann.

Wer als Ehepaar zusammen in einem Arbeitszimmer sitze, könne dies gar zwei Mal angeben, da das Arbeitszimmer in Deutschland personenbezogen absetzbar ist. „Es darf aber kein Mischzimmer sein, etwa im ehemaligen Kinderzimmer des Sohnes“, stellt der Experte klar. „Überwiegend“ bedeute zudem, dass mehr als 51 % der Arbeitszeit im Arbeitszimmer verbracht werden müssen, etwa drei von fünf Arbeitstagen: „Das muss man sich dann so organisieren.“ Ein Raum außerhalb der Wohnung, womöglich zusätzlich angemietet, ist dagegen kein Arbeitszimmer und daher ebenfalls unbeschränkt absetzbar.

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Sonderfall Grenzgänger

„Schon vor Corona gab es viele Grenzgänger, die Home-Office gemacht haben. Dann gelten die Corona-Ausnahmen nicht, und man musste den Lohn in Deutschland versteuern, wie in den Vorjahren.“ Zu bedenken ist, wenn der Luxemburger Arbeitgeber seinem Angestellten für ein Arbeitszimmer Geld geben möchte, quasi ein Arbeitszimmer formell anmietet. „Machen Sie das nicht. So erzielen Sie dann Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, auf die Steuern fällig werden.“

Ebenfalls wichtig: Im Zuge der Corona-Pandemie ist für alle Steuerpflichtigen eine Home-Office-Pauschale eingeführt worden für fünf Euro je Arbeitstag oder maximal 600 Euro pro Kalenderjahr. Die gilt auch für alle, die kein eigenes Arbeitszimmer haben, aber in einer Ecke der Wohnung arbeiten müssen.

Home-Office in der Luxemburger Steuererklärung

„Im Prinzip wendet Luxemburg für ein Arbeitszimmer deutsches Steuerrecht des Bundesfinanzhofs von 1990 an“, erklärt der Experte. So könne auch hier ein Arbeitszimmer abgesetzt werden – allerdings ohne Beschränkung auf einen Höchstbetrag. „Insgesamt ist es in Luxemburg einfacher, ein Arbeitszimmer bei der Steuer geltend zu machen. Ebenso wie die Entfernungspauschale von 540 Euro, die Sie selbst bei Krankenphasen eintragen sollten“, rät der Experte. Allerdings ist in Luxemburg kein Computer zu Hause absetzbar, in Deutschland schon.

Die 90-%-Regel

Für die Luxemburger Steuer ist bei Grenzgängern wichtig, dass sie nur dann Sonderausgaben und persönliche Verhältnisse wie den Familienstand oder Versicherungsbeiträge geltend machen können, wenn sie 90 % ihrer Einkünfte in Luxemburg erzielen. Das heißt, dass diese 90 % dann angenommen werden, wenn bis zu 13.000 Euro an Einkünften in Deutschland erzielt wurden. Das gilt ebenso für solche Grenzgänger, die bis zu 50 Tage im Jahr außerhalb Luxemburgs arbeiten.

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Die 19-Tage-Regel in Deutschland

Grenzgänger, die außerhalb Luxemburgs arbeiten, müssen das anteilige Gehalt in Deutschland versteuern, sofern 19 Zähltage überschritten werden. Dabei zählen auch angebrochene Tage, aber jeweils nur die tatsächlich gearbeitete Zeit. Wer sich also eine Viertelstunde zum Computer-Update von zu Hause einloggen muss, dem wird 0,25 Stunde für diesen Tag berechnet. Diese Zähltage werden dann in Steuertage mit je acht Stunden Arbeitszeit umgerechnet. „Die 19-Tage-Regel führt in vielen Fällen nicht zu einem steuerlichen Nachteil, sondern nur zu einer Steuerverteilung zwischen den beiden Staaten“, weiß der Anwalt.

Diese Regel wurde in Corona-Zeiten ausgesetzt, so dass unbegrenzt vom Heimatort aus gearbeitet werden konnte. Allerdings verlangt das deutsche Finanzamt bei der Steuererklärung für diese Zeit eine Bescheinigung, wonach mit Bezug auf Anordnung wegen Corona-Home-Office angeordnet worden war.

„Ohne eine solche Bescheinigung werden sie komplett in Deutschland besteuert. Darum muss sich der Arbeitgeber kümmern, sonst haben Sie ein Problem. Tut er das nicht, sollten Sie im E-Mail-Verteiler nach Mails schauen, sodass Sie einen Nachweis zur Dokumentation haben“, rät der Fachmann.

Die 25-%-Regel der Sozialversicherung

Hierbei handelt es sich um eine EU-Regelung, wonach seit spätestens 2010 jeder deutsche Grenzgänger, der mehr als 25 % seiner Arbeitszeit in Deutschland verbringt, aus dem Luxemburger Sozialsystem fällt – und damit Ansprüche etwa auf Kindergeld, Krankengeld oder Elterngeld verliert.

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Dazu muss der Arbeitnehmer über den Chef bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) einen Antrag stellen. Dem liegt eine Prognose zu Jahresanfang über die zu leistende Arbeitszeit pro Land zugrunde.

Fazit: Steuererklärung für Luxemburg-Pendler mit Home-Office

Ob sich Home-Office-Beschäftigte mit einer Steuererklärung nur in Luxemburg oder im Großherzogtum und Deutschland besser stellen, hängt laut dem Experten „ganz vom Einzelfall, der Familiensituation, der Anzahl der Kinder und dem Verdienst des Partners ab“.

Und so kann er anhand von vielen kalkulierten Einzelfällen überwiegend ermitteln, dass sich mit der Angabe von mehr als 19 Home-Office-Tagen die Grenzgänger mit einer Steuererklärung in Deutschland insgesamt finanziell besser stellen als oft erwartet. „Es gibt viele Gerüchte, aber nur eine genaue Rechnung in beiden Steuersystemen ergibt Klarheit. Man muss den Menschen das plausibel machen.“

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