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Gesellschaft

Doping am Arbeitsplatz

Einer aktuellen Studie zufolge halten sich in Deutschland rund zwei Millionen Beschäftigte mit Medikamenten bei Laune - obwohl sie eigentlich kerngesund sind. Ob Müdigkeit oder Konzentrationsmangel - die Zahl der Abhängigen ist erschreckend hoch.

Veröffentlicht par KaptanListe die 12/02/2009 | 3.717 Ansichten

Schlauer, schneller, effektiver – besser sein als die „lieben” Kollegen. In den Büros und Fabriken wächst der Leistungs- und Konkurrenzdruck enorm. Immer mehr Deutsche greifen deshalb zu Aufputschmitteln – oder können sich vorstellen, entsprechende Pillen zu schlucken.

Rund zwei Millionen gesunde Arbeitnehmer in Deutschland haben trotz hohen Suchtrisikos schon einmal ihre Leistung oder Laune mit Medikamenten steigern wollen. Etwa 800.000 nähmen regelmäßig leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Arzneimittel als Doping am Arbeitsplatz, berichtete die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in Berlin. Die DAK hatte 3000 Arbeitnehmer im Alter von 20 bis 50 Jahren befragen lassen und eigene Verordnungsdaten analysiert.

Verschreibungspflichtige Arzneimittel im Fokus

Im Fokus stehen speziell verschreibungspflichtige Arzneimittel, die zur Therapie von Alzheimer, Depressionen, Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen zugelassen sind. Eingenommen werden sie dann allerdings ohne eine therapeutische Notwendigkeit. So bekamen gut 97 Prozent der Menschen mit dem Anti-Demenz-Wirkstoff Piracetam das Mittel, obwohl bei ihnen diese Diagnose gar nicht gestellt wurde. Die Pillen kommen vielfach von Kollegen, Freunden oder aus dem Versandhandel.

Frauen und Männer haben allerdings unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die Leistungsfähigkeit gesteigert werden kann. “Männer frisieren ihr Leistungspotenzial, Frauen polieren ihre Stimmungen auf”, sagte DAK-Chef Herbert Rebscher. Männer würden also eher leistungssteigernde und aufputschende Mittel bevorzugen, Frauen entschieden sich eher für stimmungsaufhellende Mittel, die sie entspannen. Es bestünde auf lange Sicht ein hohes Nebenwirkungs- und Suchtpotenzial.

Heutige Arbeitswelt begünstigt Doping

Auffällig ist: Beschäftigte mit hohem Stresspotenzial, einem unsicheren Arbeitsplatz oder starker Konkurrenz halten Doping am Arbeitsplatz für vertretbarer als Arbeitnehmer, die weniger unter Leistungsdruck stehen. Auch aus Sicht der Experten begünstigen Faktoren in der heutigen Arbeitswelt das Doping.

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