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Gesellschaft

Preisexplosion bei landwirtschaftlichen Produkten in der Großregion

Explodierende Preise beim Bauern: Produkte um 39,4 % teurer als 2021 - das meldet das Statistische Bundesamt. Ein deutlicher Preisanstieg für landwirtschaftliche Produkte binnen eines Jahres.

Veröffentlicht par AymericHenniaux die 15/11/2022 | 207 Ansichten

Alles ist teurer geworden - Preisexplosion bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen

Die massiven Preissteigerungen aufgrund der zweistelligen Inflationsrate haben landwirtschaftliche Produkte in Deutschland im September binnen Jahresfrist um 39,4 % teurer gemacht. Im August hatte die Veränderungsrate bei plus 34,5 % gelegen, im Juli bei plus 33,4 %, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Die Auswirkungen der Inflation bekommt auch der luxemburgische Markt und damit der Endverbraucher zu spüren.

Deutschland: Gurken 48 % teurer, tierische Erzeugnisse 44 %

Die Preise sind im September gegenüber dem Vormonat um 2,5 % gestiegen. Jene für pflanzliche Produkte erhöhten sich mit plus 26 % gegenüber dem Vorjahresmonat weniger stark als für tierische Erzeugnisse (plus 49,1 %). Im August 2022 hatte die Veränderungsrate für pflanzliche Erzeugnisse bei plus 21,3 % und für tierische Erzeugnisse bei plus 44,1 % gelegen.

Der Preisanstieg bei pflanzlichen Produkten ist unter anderem auf die Getreidepreise zurückzuführen. Im September lag der Preisanstieg bei Getreide um 41 % über dem Vorjahresmonat. Im August betrug die die Preissteigerung 39,7 %. Für Obst waren die Preise im September um 4,7 % niedriger als 2021.

Beim Gemüse (plus 22,8 % gegenüber September 2021) stiegen insbesondere die Preise für Gurken (plus 48 %), Blumenkohl (plus 29,2 %) und Kohlgemüse (plus 24,5 %). Der Preisanstieg für Speisekartoffeln betrug im September im Vergleich zum Vorjahresmonat plus 73 %.

Hähnchen plus 37,8 %, Schweine kosten 63 % mehr

Tierische Erzeugnisse kosteten binnen Jahresfrist im September um 49,1 % mehr. Der Milchpreis lag im September um 57,5 % über dem Vorjahresmonat; im August 2022 waren es plus 55,9 % im Vorjahresvergleich. Im Juli hatte der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat erstmals bei über 50 % gelegen.

Im Vergleich zum September 2021 stieg der Preis für Tiere um 43 %. Im August hatte die Preissteigerung zum Vorjahresmonat 35,5 % betragen. Dabei stiegen die Preise für Schlachtschweine im September 2022 um 63,1 %.

Die Preissteigerung bei Rindern betrug 21,1 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Preise für Geflügel lagen im September um 35,5 % höher als im September 2021. Ausschlaggebend hierfür waren insbesondere höhere Preise für Hähnchen (plus 37,8 %).

Luxemburg: Preisanstieg bei allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen

Laut Statec sind die Lebensmittelpreise im Oktober um 10,9 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Und sie dürften auch 2023 weiter steigen, allerdings mit einer Rate von 4-5 %.

Die Lebensmittelpreise stiegen im Oktober 2022 um 1,7 %. Der höchste monatliche Anstieg seit Oktober 2007, laut Statec. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Kosten für Nahrungsmittel um 10,9 % gestiegen.

Von Erhöhung der Preise sind alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Großherzogtums betroffen. Und ein Ende ist nicht in Sicht: “Wir erwarten bis Ende 2023 keinen Rückgang“, warnt Tom Haas, Leiter der Abteilung Modellierung und Prognosen des Statistikamtes, “sondern eine Verlangsamung der Inflation. Die Rate dürfte sich auf etwa 4-5 % halbieren”.

Werden sich die Preise noch Mal auf ein ‘normales’ Niveau akklimatisieren? “Das kann ich nicht sagen. Wir machen nur Prognosen für das laufende Jahr und das Folgejahr.” Der Wirtschaftswissenschaftler konnte auch nicht genau sagen, bei welchen Lebensmitteln die Preise stärker steigen werden als bei anderen. “Wir betrachten Tausende von Produkten, und es gibt immer einige, die steigen, und einige, die sinken. Bei vielen von ihnen gibt es saisonale Effekte”.

Drei Hauptursachen für den Anstieg

Tom Haas nannte drei Hauptursachen für den Anstieg der Lebensmittelpreise. “Es gab ein Dürreproblem in Europa. Weizen konnte die Ukraine mehrere Monate lang nicht verlassen. Und die Energiekosten, die sich auf Maschinen auswirken, aber auch auf Düngemittel, die aus Petrochemikalien hergestellt werden”, so Tom Haas weiter.

Der erste Faktor, “saisonal bedingt, spielt weniger eine Rolle”. Was den zweiten betrifft, so “gibt es wieder Schiffe, die Weizen aus der Ukraine transportieren”. Und dann “erreichen die Energiepreise eine Obergrenze”. Dies seien drei Gründe, warum sich die Inflation wahrscheinlich beruhigen werde.

Bestätigung auch von Guy Feyder, Präsident der Landwirtschaftskammer Luxemburgs. Er hat bereits eine gewisse Stabilität auf den Märkten festgestellt, auch wenn wir uns immer noch auf einem Niveau befinden, das “viel höher ist als das, was wir bisher kannten.”

Unterschiede je nach Produkt

Allerdings gibt es je nach Produkt Unterschiede. Bei Getreide ist dies auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen. Selbst wenn das Land “eher nach Afrika exportiert, unabhängig vom Standort, wirkt sich dies über die klassischen Mechanismen von Angebot und Nachfrage auf den Weltmarkt aus”, erklärte er.

In ähnlicher Weise wird der Butterpreis durch die starke internationale Nachfrage angetrieben”. Die Kosten für Schweinefleisch sind weniger stark gestiegen als die für andere Produkte, was vielleicht auf ein “Überangebot im Zuge der Entwicklung des Sektors” nach der Afrikanischen Schweinepest zurückzuführen ist.

Die Strategie der Supermärkte

Viele von ihnen haben bereits ihre Margen, also die Gewinnspannen, gesenkt, um ihre Preise wettbewerbsfähig zu halten.

“Wir versuchen so viel wie möglich, die Kaufkraft unserer Kunden durch verschiedene Maßnahmen zu stärken: die reduzierten Preise unserer mehr als 400 Produkte, der 10%ige Rabatt unseres Treueprogramms auf frische Produkte mit der Nutri-Score A&B nach einem Einkauf von 99 € im Vormonat…”, verlautet die Kette ‘Delhaize’.

“Wir versuchen, das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen der Weitergabe der Preiserhöhungen unserer Rohstoff- und Energielieferanten, unserem Wunsch, unseren Kunden weiterhin attraktive Preise zu bieten, unseren Arbeitsplätzen und der Nachhaltigkeit des Unternehmens”, fügte die Kette ‘Auchan’ hinzu.

Diese Faktoren werden seitens Statec nicht berücksichtigt – und das aus gutem Grund nicht: “Wir kennen weder ihre Einkaufspreise noch ihre Kosten, wir können ihre Gewinnspannen nicht abschätzen”.

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