foxi1000, 09/11/2017

"Hintergrund für die Korrektur der Inflationsprognose ist Statec zufolge in erster Linie die Reform der "Chèque Service".
Durch die Erhöhung der Wertschecks werden Eltern finanziell bei der Kinderbetreuung unterstützt".
Das ist also der Hintergrund zur evt. Verschiebung des Index ins dritte Quartal 2018. Betrifft die gestiegenen Lebeshaltungskosten nicht alle, z.B. auch geschiedene oder Alleinstehende ohne Kinder!?
Dann werden diese Wertschecks auch noch zur Unterstützung der Kinderbetreuung ausgestellt. Vielleicht wäre es sinnvoller angelegt, den Elternurlaub zu verlängern, da die Kinder in den ersten lebensprägenden Jahren die Eltern bräuchten und keine "Nanny`s".......ist meine persönliche Meinung.
 rollenderrubel, 09/11/2017

Der Index "verzögert" sich nicht. Es gibt keinen festen Zeitpunkt für die nächste Tranche, sie kommt halt, wenn die Inflation entsprechend gestiegen ist. Er kann sich gar nicht verzögern. Das ganze Gerede in den Kommentarspalten von lessentiel.lu und so weiter, von wegen "die Regierung schuldet uns noch mindestens drei Indextranchen", das ist totaler Schwachsinn. Es gab und gibt halt nur wenig Inflation.
 Grenzgaenger2014, 09/11/2017

Bei diesem Thema ist Vorsicht geboten, gleich kommt Vera79 ;-).
 info, 09/11/2017

Naja, das liegt schon daran das die Regierung den Warenkorb zur Bestimmung der Inflationsrate mehrfach so umgestrickt hat das die Kostentreiber draussen waren.
Als Beispiel, Energie ist teuer = raus damit. Energie verbilligt sich = rein damit in den Warenkorb.

Und zu den Aussagen das die Regierung Tranchen schuldet gibt es durchaus belastbare Fakten, dabei wurde der ursprüngliche Warenkorb einfach unverändert weiter berechnet und daraus ergibt sich die Differenz.
 Vera79, 09/11/2017

Wenn ich soooo lieb gebeten werde darf mein Senf natürlich nicht fehlen. Schliesslich ist das ja nicht das GrenzgängerARBEITNEHMERforum :-)

1. Statec erstellt den Index, nicht die Regierung :-) Und Statec unterliegt den Regeln von Eurostat.
2. Der Warenkorb wurde immer, auch während der "guten" Jahre, angepasst. Das ist ein völlig normaler Vorgang
3. Wie soll ein Unternehmen die Mehrkosten erwirtschaften? Das ist nicht nur der LOHN sondern auch immer entsprechend die LOHNNEBENKOSTEN ...
 info, 10/11/2017

Statec macht nur die Datenerfassung und Berechnung, der Rest ist Tripartite und folglich auch Politik.

Bestes Beispiel für politische Entscheidungen ist wohl das Jahr 2012. Aber auch die Jahre 2008 und 2009 sind hier zu benennen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Indexlohn#cite_note-4infogate.iee.lu/metadot/index.pl
 Vera79, 10/11/2017

Stimmt, und über die Tripartite sind die AN ja mit am Tisch.
Aber nochmal meine Frage: Wie soll ein Unternehmen die Mehrkosten erwirtschaften?
Kosteneffizienz? Oder weiterreichen der Mehrkosten an den Kunden ...was, verflixt, zur weiteren Teuerung beitragen würde?
 info, 14/11/2017

@vera79

Du bist doch Unternehmerin in einem EU Land und solltest daher als Unternehmerin die Vorgaben der EU Zentralbank kennen. Das Ziel ist eine Inflationsrate von knapp unter 2% und das bedeutet das du dein Geschäftsmodell dauerhaft darauf auslegen musst damit zu leben. Denn die Spirale mit den knapp 2% soll niemals enden. Ansonsten wird ein Mitbewerber der es kann deine Kunden übernehmen.

Zitat Wiki zur Zentralbank
"Das vorrangige Ziel ist die Gewährleistung der Preisniveaustabilität in der Eurozone; spezifiziert ist diese als Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von unter, aber nahe zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr."
 Lux2015, 14/11/2017

@vera79:
die Mehrkosten sind ja auf Arbeitnehmerebene schon längst entstanden - der Index ist eine nachträgliche Angleichung des Lohnes an die REALE Inflation.
Die Unternehmen haben ZUVOR die Preise der Produkte/Dienstleistungen erhöht
 PsstGeheim, 15/11/2017

ach ja, die Inflation, so ein richtiges Henne-Ei-Problem:
wer hat irgendwann damit angefangen, wollte zuerst ein Arbeitnehmer mehr Geld oder hat zuerst ein Arbeitgeber (Produzent) einen Preis erhöht, oder war es im Endeffekt doch die steigende ungedeckte Geldmenge oder der Nachfragesog oder der Angebotsdruck ?
man kann sich hierzu trefflich kaputtdiskutieren ;-)
 bust, 15/11/2017

Dass die tariflichen Gehaltserhöhungen immer nachlaufend sind, steht ausser Frage. Schau dir mal die Hyperinflationszeiten seinerzeit in D oder aktuell in Venezuela an, PsstGeheim. Da wird schon während des Druck- und Aushändigungsprozesses des neuen Geldes das Geld derart entwertet, dass die Leute dadurch verarmen und gezwungen sind, sich unter Gewalteinsatz Nahrungsmittel etc. zu beschaffen.

Vom Grundprinzip ist deine Aussage richtig Lux2015, dennoch ist es nur die halbe oder vielmehr 1/3-Wahrheit:
Zunächst muss angemerkt werden, dass die mit dem Index verbundene Lohnerhöhung sich auf das BRUTTO-Gehalt bezieht. Bei sehr vielen muss dieses zusätzliche Gehalt dann zum zum Spitzensteuersatz von über 40% versteuert werden, d.h. von 2,5 % Butto-Lohnerhöhung bleiben keine 1,5% Nettolohnerhöhung übrig.
Aber jetzt kommt noch ein weiteres Problem hinzu:
Die Messung der Verbraucherpreise spiegelt nicht wirklich die tatsächliche Inflation wider. Es würde hier völlig den Rahmen sprengen, dies detailliert zu erläutern, daher nachfolgend exemplarisch nur 1 Bsp.: Bei der Verbraucherpreisberechnung wird der technische Fortschritt preismindernd einberechnet. So sinken z.B. die Preise von Computern, Laptops etc. bei den Verbraucherpreisberechnungen kontinuierlich, wohingegen im Geschäft die Preise von neuen technischen Waren tendenziell eher steigen (man vergleiche die Preise von IPhone1 und IPhone10). Der Punkt ist, ein Gerät auf dem technischen Stand von vor 10 Jahren kann man heute im Geschäft gar nicht mehr erwerben. Der Konsument MUSS aber technologisch weiter entwickelte Ware kaufen, auch wenn er im konkreten Fall davon oft gar keinen konkreten Nutzen hat (etwa durch höhere Speicherkapazität oder höhere Rechenleistung). D.h. bei der Verbraucherpreisberechnung wird ein fiktiv niedrigerer Preis angenommen und dies obwohl der Konsument tatsächlich mehr dafür bezahlen muss und eben oft gar keinen persönlichen Vorteil hat. Folglich fällt die offizielle Inflationsrate zu niedrig aus im Vergleich zu der tatsächlichen. Es gibt noch viele weitere Berechnungssonderheiten bei der offiziellen Inflationsberechnung, die sich inflationsmindernd auswirken, aber das würde hier zu weit führen.
Jedenfalls liegt die tatsächliche Inflationsrate deutlich über der offiziellen. Wenn eine offizielle Inflationsrate von 2% ausgewiesen wird, dann ist die tatsächliche Inflationsrate irgendwo zwischen 3 und 4 %.
Und um nun auf das eigentliche Problem der Lohnempfänger zu kommen:
Bei einem offiziellen Preisanstieg von 2,5%, kann man in etwa von einem tatsächlichen Preisanstieg von etwa 4% ausgehen. Man bekommt aber dann nichtmal ganz 1,5% mehr Nettolohn, d.h. der tatsächliche Preisanstieg wird mit dem lux. Indexsystem nur zu etwa 1/3 ausgeglichen !

Und genau das ist der Grund, warum immer mehr Menschen verarmen und im Fall von L sich etwa die hohen Mieten nicht mehr leisten können und ins Ausland auswandern. Die Mietpreise bei Neuvermietungen sind seit einem Jahr um etwa 6% gestiegen. Bei einem Mietpreis-Anteil am Gesamtbudget eines Arbeitnehmers von über 33% MüSSTE ALLEIN der Mietpreisanstieg schon für 2% Indexanstieg verantwortlich sein. Allerdings ist der Index noch nicht mal 2% gestiegen, und das bei vielen anderen Waren, die auch deutlich im Preis gestiegen sind (zB Sprit) ??? Daran sieht man, dass diese Inflations-/Indexmessung nicht der Realität entspricht, sondern eben sehr arbeitgeberfreundlich ist.
In D ist das System arbeitnehmerfreundlicher. Die von den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträge liegen in aller Regel über der offiziellen Inflationsrate, wodurch die zuvor beschriebenen Effekte zwar bei weitem noch nicht vollständig, jedoch zumindest teilweise kompensiert werden.
 PsstGeheim, 15/11/2017

Nur darf man nicht vergessen, dass der Arbeitnehmer in Deutschland wieder und wieder um seinen Inflationsausgleich (in Form höherer Tarifverträge) kämpfen muss, während es in Lux schön automatisch, wenn auch mal mehr und mal weniger regelmäßig, auf dem Konto landet.
Ansonsten hast du natürlich recht, Inflationskörbe sind halt Statistik, und die biegt man solange, bis sie passt ;-)
 Vera79, 15/11/2017

Naja, ob das Lohnsystem in D arbeitnehmerfreundlicher ist glaube ich nicht, da in L der Mindestlohn (qualifizierter und unqualifizierter) schon relativ hoch ist und doch über dem deutschen Lohnniveau liegt.
Ich würde als AG eben gerne selber mit meinen Mitarbeitern entscheiden wer wann ggfs. wieviel mehr bekommt und eben nicht mit dem Gießkannenprinzip verteilen. Anreizsysteme werden dadurch stärker beeinträchtigt.
 bust, 11/12/2017

Im letzten Abschnitt meines Kommentars habe ich lediglich konstatiert, dass bei der Indexerhöhung in L im Schnitt für den AN prozentual weniger bei rumkommt als bei den gewerkschaftlich ausgehandelten Tarifverträgen in D. Nicht mehr und nicht weniger. Mag sein, dass das Wort "System" in meinem zweitletzten Satz ich noch näher hätte spezifizieren können, um dies ganz deutlich zu machen.

Dass in D auch die Arbeitnehmer um die tariflichen Lohnerhöhungen kämpfen müssen, ist klar. Allerdings sind es im Wesentlichen die Gewerkschaften, die diese Arbeit übernehmen und die haben in D weitaus mehr Macht als in L.

Wie gesagt - mein Kommentar bezog sich nicht auf das Lohnsystem als Gesamtheit, sondern rein auf den kleinen Teilaspekt der inflationsbedingten tariflichen Gehaltsanpassung.
Das gesamte Lohnsystem in D und L mit all seinen unterschiedlichsten Aspekten zu vergleichen, welches vorteilhafter ist, wäre sehr aufwendig und komplex, vermutlich aber auch gar nicht auf objektiver Basis zu bewerkstelligen. So ist z.B. unklar, wie dabei positive und negative Aspekte konkret gegeneinander objektiv abgewogen werden sollten. Ein solcher Vergleich wäre vor allem sehr von der individuellen Situation abhängig (z.B. spielt für jemanden, der 50.000 € Jahresgehalt hat, das Mindestgehalt gar keine Rolle) Aber selbstverständlich hat das luxemburger System für den AN auch viele Vorteile (aber eben auch etliche Nachteile).
Klar, dass leistungsorientierte Gehaltssysteme aus AG-Sicht gewünscht sind (und auch ich richtig finde). Die AG probieren daher oft, die AN in aussertarifliche Verträge zu drängen, wo dann individuelle Gehaltsanpassungen leicht möglich sind; aber da machen eben nicht viele AN mit.
Nochmal: Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Gehaltssteigerungen, die indexbedingt sind, der Sache nach (deutliche) realwirtschaftliche Gehaltsminderungen sind ! Der teilweise prozentuale Ausgleich des Anstiegs der Konsumentenpreise muss aber dann natürlich an alle gehen, dass die Leute zwar nicht mehr ihren alten Lebensstandard aufrecht erhalten können, aber wenigstens einen prozentual gleichen Anteil ihres alten Lebensstandards noch halten können.


Es passt zwar nicht zum Thema Index, aber zum Thema Lohnvergleich in D und L will ich in diesem Zusammenhang nachfolgend noch einen konkreten Fall schildern, der unterstreicht, dass die finanzielle Situation in L im Vergleich zu D bei weitem nicht so toll aus Arbeitnehmersicht ist, wie sie allgemein immer dargestellt wird:

Ich kenne 2 Bankangestellte, die der Sache nach die gleiche Tätigkeit ausüben und auch in etwa dieselbe Berufserfahrung aufweisen. Der eine - nennen wir ihn K - wohnt und arbeitet in Kaiserslautern, der andere - nennen wir ihn T - arbeitet in Luxemburg und wohnt in Trier.
K bekommt brutto etwas mehr als T. Auf Nettobasis bekommt T knapp 500 € /Monat mehr als K. T zahlt bei der Kaltmiete exakt 200 € mehr als K; nun muss man dazusagen, dass T eine etwas grössere Wohnung bewohnt als K (dieses ETWAS sind ca. 5 m2). Ich ziehe dafür grosszügig als Kompensation zugunsten von T 50 € ab, d.h. , um von einer gleichen Wohnungsgrösse auszugehen, zahlt T also lediglich 150 € mehr Miete. K geht in ca. 20-25 min. zu Fuss zur Arbeit oder benutzt alternativ Rad/Elektroroller etc. (jedoch nur selten das Auto); im Schnitt ist er pro Tag für den Hin- und Rückweg zur Arbeit ca. 30 min unterwegs; T fährt pro Tag ca. 2 Stunden mit dem Auto. Ganz grob überschlagen gibt T für die mit dem Mehrfahren verbundenen Mehrkosten (Sprit,Abnutzung,Versicherung etc.) ca. 200 € im Monat mehr aus als K, d.h. T verbleiben bis hierhin ca. 150 € netto mehr zum Leben als K (eigentlich nur 100 €, aber er hat ja auch eine etwas grössere Wohnung). Nun ist K begeisterter Hobbymusiker und spielt in einer kleinen Band, die mitunter (etwa einmal im Monat) bezahlte Auftritte veranstaltet. Dadurch nimmt K noch ca. 150-200 € pro Auftritt/Abend zusätzlich ein.
Unter dem Strich hat nun K netto eher mehr als T zur Verfügung, hat vor allem aber WESENTLICH MEHR effektive Freizeit, in der er sich nicht mit Verkehrsproblemen rumschlagen muss (wobei dieses WESENTLICH ca. 25 Stunden im Monat sind).
Konsequenz dieser Situation ist nun (K und T kennen sich nämlich), dass T in Kaiserslautern ein Vorstellungsgespräch hatte.

Fazit:
Das "Geschäftsmodell", in D zu wohnen und in L zu arbeiten, das bei vielen nur auf steuerlichen Aspekten beruht, ist häufig vergleichsweise wenig rentabel.
Dennoch sind die meisten mir persönlich bekannten L-Pendler innerlich nicht bereit, objektiv und ERGEBNISOFFEN zu prüfen, ob eine Beschäftigung z.B. in D nicht sinnvoller wäre. Zumeist wird dann meiner Erfahrung nach aus Bequemlichkeit, aber auch Rechthaberei etc. rationalisiert, d.h. es steht für diese Personen bereits definitiv fest, dass ihre Auffassung über Wahl von Arbeitsort und Wohnort die richtige ist und nun geht es für sie nur noch darum, Argumente zu finden, die ihre Position rechtfertigen. Traurig, aber so ist es nunmal bei sehr vielen Leuten. Ich sage nicht, dass eine Beschäftigung in L per se unsinnig ist (ich kenne etliche Fälle, wo dies aus den verschiedensten Gründen ausdrücklich sinnvoll ist).
Aber bei einer wirklich ergebnisoffenen Prüfung werden sehr viele merken, dass es bessere Alternativen für sie gibt als in D zu wohnen und in L zu arbeiten.
 info, 11/12/2017

In der Tat muss ich zustimmen, bei einigen Grenzgänger ist es eher zu einer Religion geworden als eine rationale Entscheidung in Luxemburg zu arbeiten.

Hier kann jeder nachlesen das man in Luxemburg zuerst mal mehr Arbeitstage und Arbeitsstunden pa machen muss und man eigentlich beide netto Einkommen durch die zu leistende Arbeitszeit teilen muss um einen Vergleich zu ermöglichen. Was dann noch übrig bleibt ist dem Mehraufwand beim Pendeln gegenüber zu stellen.

http://wko.at/statistik/eu/europa-arbeitszeit.pdf

Auf der anderen Seite und zum Thema:
Index ist KEINE Lohnerhöhung sondern ein Inflationsausgleich, es ist natürlich allen Arbeitgeber in Luxemburg freigestellt tatsächliche Lohnerhöhungen frei und flexibel selbst zu vereinbaren.

Der Index in Luxemburg hat das verhindert was in Deutschland zwischen 2001 und 2011 passiert ist und jeder hier nochmal durchlesen kann:
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-02/grafik-realloehne-steigen-boeckler
 PsstGeheim, 11/12/2017

Grundsätzlich stimme ich bust zu, dass viele sich in die eigene Tasche lügen, wenn es darum, welchen Preis man zahlt in Lux.

Aber bei der Rechnung sollte man einen wichtigen Punkt beachten. Das wesentlich höhere Rentenniveau, welches man sich nach derzeitiger Gesetzgebung in Luxemburg erarbeitet.

PS: Und die Bandauftritte gehören meiner Meinung nach nicht unbedingt in die Rechnung ;-)
 bust, 23/01/2018

Zu dem Zeit-Artikel von der Hans-Böckler-Stiftung:
Der Artikel bzw. die darin enthaltene Grafik unterstreicht ganz deutlich, was ich in meinem vorangegangenen Posting beschrieben hatte:
Die tariflich organisierten AN in D haben einen deutlich höheren Inflationsausgleich bekommen als die AN in L, die dem Indexsystem unterliegen (ca. 11% mehr über 14 Jahre, was zwar auf Nettokaufkratfsbasis immer noch einen Verlust darstellt, aber eben deutlich besser als in L ist)
Dass sich in D die DURCHSCHNITTLICHEN realen Bruttolöhne (also von allen AN) von 2000-2014 nur um 1,4% nach oben bewegt haben (und damit immer noch mehr als die der lux. AN, die dem Indexsystem zugrunde liegen) hängt u.a. - wie im Artikel beschrieben - damit zusammen, dass der Niedriglohnsektor ausgebaut wurde, kleine Betriebe häufig nicht gewerkschaftlich organisiert sind und da dann kaum signifikante Inflationsausgleiche bei rumkommen.
Fazit:
das Non-Plus-Ultra in Hinblick auf hohe inflationsbedingte Gehaltssteigerungen ist tariflich organisiert in D zu sein, dann kommt lange nix, und dann kommen die tariflichen AN in L, die dem Indexsystem zugrunde liegen, und am Ende die nicht tariflichen AN in D.
Man sollte als AN in D natürlich zusehen, dass man gewerkschaftlich organisiert ist.

Wegen den Bandauftritten:
Natürlich kann man die aus der Rechnung rauslassen, dann muss man im Gegenzug aber auch das Mehr an Freizeit aufstocken auf dann ca. 30 Stunden im Monat anstelle der in der Rechnung angeführten 25 Stunden. Und dieses Mehr an Freizeit muss ja irgendwie bewertet werden bei der Vorteilhaftigkeitsanalyse. Ein Ansatz ist dabei, die Option von Nebentätigkeiten in D, wie sie tatsächlich auch vielfach praktiziert wird, miteinzubeziehen. Der Punkt ist doch, dass die meisten mir bekannten L-Pendler kaum mehr Freizeit haben. Wenn ich die frage, was sie nach der Arbeit machen, dann kommt meist, ich bin müde/ruhe mich aus, gehe recht früh schlafen etc. Realistische Optionen einen angenehmen Zusatzjob zu ergreifen (wie es viele in D Beschäftigte machen), also z.B. Bandauftritt, Nachhilfe, Babysitting, Austragetätigkeiten etc., diese Option steht den L-Pendlern realistisch gesehen wegen ihrer zeitlichen Belastung gar nicht zur Verfügung (oder zumindest nicht in dem Ausmass). Insofern halte ich es schon für sinnvoll, zumindest die Option von Zusatztätigkeiten in D in die Analyse miteinzubeziehen.
Ansonsten müsste man eben entscheiden, ob einem lieber 30 Stunden mehr Freizeit im Monat oder 150 € mehr Gehalt sind.
Anstelle des geschilderten Beispiels hätte ich auch noch diverse andere ähnliche Fälle schildern können, wo keiner einer Nebentätigkeit nachgeht. Das Grundprinzip (und natürlich gibt es Ausnahmen bei staatlich orientierten Jobs etc.) bleibt jedoch fast immer dasselbe: Der L-Pendler hat etwas mehr zur freien Verfügung (wir reden da meist - wenn überhaupt - über einen sehr niedrigen 3-stelligen Betrag), aber der in D-Beschäftigte hat halt ganz signifikant mehr Freizeit. Und dieses Verhältnis ist eben meist unvorteilhaft für den L-Pendler, da der zusätzliche Aufwand implizit mit einem viel zu geringen Stundensatz "abgegolten" wird.

Wegen dem Rentenniveau:
Ja, im Moment ist das Niveau in L höher. Ich hatte das schonmal in einem anderen Beitrag geschrieben: Es ist aber völlig offen, wie die Sache in 30 Jahren aussieht. Ein heutiger Berufsanfänger sollte sich schon die Frage stellen, ob das für das gegenwärtige Rentenniveau erforderliche Wirtschaftswachstum von ca. 4% im Jahr dauerhaft aufrecht erhalten werden kann. Daran haben ja bereits schon führende Politiker Zweifel. Nicht zuletzt wegen der Einflüsse von Leuten wie Macron oder Schulz sollten sich mMn die Steuersätze in der EU langfristig mehr und mehr angleichen (man beachte z.B. die gestrige Erklärung von Macron und Merkel zum 55. Jahrestag des Elysée-Vertrags, wo von einer "Beförderung fiskalischer Konvergenz" die Rede war) Und damit wird L zunehmend an Wettweberbsvorteil sowie Wachstumskraft verlieren. Zudem sind dem Wachstum in L auch immense infrastrukturelle Grenzen gesetzt. Man muss sich ja nurmal den heutigen Berufsverkehrszeitaufwand vieler ansehen, die kaum mehr ausbaufähige Infrastruktur im Hinterkopf haben und dann ein etwaiges immenses Beschäftigungswachstum in den nächsten 20-30 Jahren hochrechnen auf den dann benötigten Verkehrszeitaufwand. Da werden sich sicher viele schon beim Gedanken daran vom Grossherzogtum abwenden. Und jetzt haben wir noch gar nicht über Gefahren gesprochen, die von Cattenom/Thiange ausgehen etc, etc..
Also ich sage nicht, dass das Rentensystem in L komplett kollabieren wird (was auch möglich ist). Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass in Jahrzehnten in L deutlich mehr Rente bei rumkommt als in D, wäre auch falsch, insb. halte ich es für falsch, diesem Aspekt eine allzu grosse Bedeutung beizumessen in Hinblick auf die heutige Standortwahl.
 info, 23/01/2018

Mit Verlaub das ist in der Logik nicht zu machen.

Es gibt in beiden Länder zwei Gruppen:
1. Tariflich organisiert.
2. Nicht tariflich organisiert.

Vergleichen wir das mal:
Die tariflich organisierte Gruppe in Luxemburg hat eine bessere Gehaltsentwicklung als in Deutschland, hier kommen die Faktoren Index und Tariferhöhung in Summe zum tragen.

Die tariflich nicht organisierte Gruppe in Luxemburg konnte wenigstens ein keines Plus erziehlen, die nicht organisierte Gruppe in Deutschland musste hingegen reale Einkommensverluste hin nehmen.

Übrigens noch zum Rentensystem, die Jungen fallen bereits unter die geänderten Gesetze, da sind die Weichen also schon seit Jahren gestellt und man muss nicht mehr spekulieren was in 30 Jahren passieren könnte, es ist ja veröffentlicht was beschlossen wurde.
 bust, 31/01/2018

@ info:
???
Es ist richtig, dass in L auch Tariferhöhungen jenseits des Index zum Tragen kommen. Die hatte ich in der Tat bei meinem letzten Posting unterschlagen. Allerdings sind die im Vergleich zu D sehr gering (fast schon vernachlässigbar). Nehmen wir exemplarisch den Bankenkollektivvertrag für das Jahr 2012 und 2016, dann beträgt die tarifliche Gehaltssteigerung jenseits des Index insgesamt ca. ganze 1% in diesen 4 Jahren, also im Schnitt 0,25% pro Jahr (ja, es gibt wie in D gelegentlich auch noch Einmalzahlungen, die aber langfristig in Bezug auf das Gehaltsniveau kaum ins Gewicht fallen)
Es bleibt jedoch die allgemein anerkannte Aussage gültig, dass tarifliche AN in D im Schnitt höhere Gehaltserhöhungen bekommen als tarifliche in L. (Dies wurde mir u.a. bereits von diversen Personalern gesagt/bestätigt. ) Diese Tatsache hängt u.a. damit zusammen, dass die Gewerkschaften in L bei weitem nicht die Macht wie in D haben und eben bei weitem nicht die deutschen Gehaltssteigerungen durchsetzen können. Wie oft streiken denn in L die Beschäftigten ?

Vergleiche mal folgende 2 Grafiken:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/384228/umfrage/entwicklung-der-realloehne-nominalloehne-und-verbraucherpreise-in-deutschland/
und
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/689240/umfrage/entwicklung-der-realloehne-in-luxemburg/

Wie unschwer zu erkennen ist, ist die Reallohnentwicklung in D weitaus besser als in L gewesen und das im Schnitt um ca. 1% pro Jahr ! (In L beträgt das durchschnittliche Plus ca. 0,3% pro Jahr, (das entspricht in etwa den tariflichen Erhöhungen jenseits des Index) ; in D liegt das durchschnittliche Plus der Reallöhne bei ca. 1,3% pro Jahr; jeweils von 2010 an gerechnet)
Die Grafiken beziehen sich auf alle AN. Ein wesentlicher Unterschied zwischen L und D besteht nun darin, dass in D sehr viele (ca. die Hälfte, nämlich gerade viele Geringverdiener) NICHT tariflich organisiert sind, wohingegen in L die meisten tariflich organisiert sind. Diese nicht tariflich organisierten AN in D bekommen signifikant weniger Gehaltssteigerungen als die tariflich organisierten in D. Dies impliziert wiederum, dass die tariflich Beschäftigten in D noch besser als der Durchschnitt aller in D Beschäftigten abschneiden bei den Gehaltserhöhungen; dies kann man übrigens auch am Vergleich der roten und blauen Linie bei der Grafik des Zeit-Artikels ablesen (ja es gibt auch noch wenige Grossverdiener, die horrende Gehaltssteigerungen hatten, aber die fallen nicht so stark ins Gewicht) Und in L gibt es eben nicht diese grosse Anzahl an Nicht-tariflichen Angestellten (die in D nur wenig Gehaltserhöhungen bekommen), die die durchschnittliche Lohnentwicklung nach unten ziehen. Oder anders ausgedrückt: Die Gehaltssteigerungen der tariflichen AN in L weichen nicht so stark vom Durchschnitt aller AN ab wie dies in D der Fall ist.
Du wirst jetzt sagen, aber die Hans-Böckler-Stiftung hatte in ihrem untersuchten Zeitraum etwas andere Ergebnisse. Selbst wenn man die 3 Statistiken miteinander vereint, schneidet im Schnitt D immer noch besser als L ab, vor allem muss man aber auch solche gewerkschaftsnahen Statistiken mit starker Vorsicht geniessen, denn die sind ja bestrebt, die Bezahlung der nicht-tariflichen AN tendenziell als schlecht darzustellen, dass sie dann Argumente haben, dass die sich den Gewerkschaften anschliessen und die Gewerkschaften damit noch mehr Macht bekommen)
(also wäre bei ihrer Statistik herausgekommen, dass die AN im Schnitt ordentliche Reallohnzuwächse gehabt hätten, wäre diese Statistik erst gar nicht veröffentlicht worden)

Mir geht es aber auch gar nicht um den Durchschnitt aller AN (wo der Unterschied nicht so gross ist), sondern betonen möchte ich: Die Gehaltssteigerungen der tariflich Beschäftigten in D verglichen mit den tariflich Beschäftigten in L fallen signifikant höher aus ! Es tut mir leid, aber dies ist schlicht und ergreifend ein Faktum. (was nicht heisst, dass es mal einen kurzen Zeitraum gab, wo dem nicht so war)

Der eigentliche Skandal ist aber, dass sowohl in D als auch in L diese tariflichen Gehaltssteigerungen (inkl. Index) eben nicht ausreichen, um den Lebensstandard aufrecht halten zu können, da es unter dem Strich zu realwirtschaftlichen Verlusten kommt wegen
a) der Steuer und
b) der tatsächlich höheren Inflationsrate im Vergleich zu der offiziell ausgewiesenen Rate.

Bzgl. dem Rentensystem in L:
Es ist doch völlig irrelevant, was politisch beschlossen wurde. (das wird sich sowieso noch mehrmals ändern) Die einzig entscheidende Frage für die langfristige Entwicklung des Rentensystems ist, wie sich das Verhältnis von Beitragszahlern und Beitragsempfängern entwickelt. Wenn keiner mehr Beiträge zahlt, kann man die besten Konzepte aufstellen, dann wird das Rentensystem zusammenbrechen. (also wenn dir jemand Geld schuldet und das juristisch eindeutig ist, nützt dir das auch nur was, solange der andere solvent ist, sonst kriegst du einen Wisch vom Gericht, wo deine Ansprüche draufstehen, für die du dir aber nix kaufen kannst)
Im Moment steht einer (noch) stark steigenden Anzahl von (vergleichsweise jungen) Beitragszahlern eine vergleichsweise kleine Gruppe von Beitragsempfängern gegenüber, aber den demografischen Wandel wird es auch in L geben (die vielen Jungen werden älter, gehen in Rente) und wenn da noch ein wirtschaftlicher Abschwung dazukommt, sind die Reserven weitaus schneller aufgebraucht als das heute die meisten prognostizieren.
Nochmal: Ich sage nicht, dass man in L definitiv eine schlechte Rente bekommen wird. Allerdings sind Aussagen der Form, dass man in L in 30 Jahren eine wesentlich höhere Rente als z.B. in D bekommen wird, schlichtweg Nonsens, da kein Mensch dieser Welt aus heutiger Sicht beurteilen kann, was in diesen 30 Jahren an relevanten Veränderungen sich abspielen wird. Zweifelsfrei gibt es jedoch bereits heute Anzeichen, die auf ein Absinken des Rentenniveaus hindeuten.
 info, 31/01/2018

Ich stelle mir gerade die Frage warum man diese tolle Situation in Deutschland dann hier nicht sieht:
https://www.laenderdaten.info/durchschnittseinkommen.php

Und btw, ich bin auch der Meinung das man im Bezug auf Renten keine 30 Jahre in die Zukunft blicken kann, allerdings braucht man in Deutschland diese Zeitspanne auch nicht um zu erkennen das da Hopfen und Malz verloren ist.
 bust, 09/02/2018

Ich habe nie behauptet, dass in Deutschland die Situation besonders toll wäre. Ich stimme dir zu, info, dass die Rentensituation in D derzeit nicht besonders rosig und das Rentenniveau schlechter als in L ist. Aber daraus folgt NICHT, dass in 30 Jahren die Rentensituation in L nachwievor besser sein muss als in D. Es geht nicht darum einen Staat zu finden, in dem das Rentensystem zufriedenstellend sein wird, sondern die Frage ist: wo wird in 30 Jahren das Rentensystem (mit) am wenigsten schlecht sein ?

Das Problematische beim Luxemburger Staat (und dessen Rentensystem) ist sein immenses implizites Staatsdefizit. Gemessen am BIP ist dies noch höher als im finanziell angeschlagenen Griechenland und etwa 10mal so hoch wie in Deutschland bzw. liegt beim über 10-fachen des eigenen BIP !!! (nachzulesen z.B. unter https://de.wikipedia.org/wiki/Generationenbilanz). Diese implizite Staatsschuld setzt sich im Wesentlichen aus den noch zu erbringenden Sozialleistungen (Kranken-, Pflege- und insb. Rentenzahlungen) zusammen. Und woher der lux. Staat langfristig diese enormen Geldmengen nehmen will, erschliesst sich nicht nur mir nicht.

Der Sache nach ist das lux. Rentensystem ein Schneeballsystem: Den derzeit noch relativ wenigen Bezugsempfängern stehen relativ viele Beitragszahler gegenüber. So ein System läuft anfangs (also im Moment, wo die Gruppe der Beitragsempfänger noch überschaubar ist) gut. Nur das systemische Problem besteht darin, dass man immer mehr neue Beitragszahler braucht, die ihre Vorgänger (Rentner) finanzieren; aber diese benötigten Leute kann man irgendwann nicht mehr in der nötigen Anzahl auftreiben (bzw. Unternehmen haben irgendwann keinen Einstellungsbedarf mehr). Dann bricht das System zusammen. Es müssten jedenfalls noch ganz viele Wunderwachstumsjahre mit entweder starkem Beschäftigungsaufschwung her (woher diese zukünftigen Beitragszahler dann ihre Rente bekommen sollen, steht auch in den Sternen ...) oder aber der Staat macht derart hohe Haushaltsüberschüsse, dass er davon für spätere Sozialleistungen selbst bei Stagnation der Erwerbstätigenzahl ausreichende Rücklagen bilden kann. Beides halte ich für relativ unwahrscheinlich, kann es jedoch auch nicht ausschliessen. In der Praxis gehe ich eher davon aus, dass der lux. Staat ein Zusammenbrechen seiner Sozialsysteme dadurch verhindert, indem er eher früh als spät das Rentenniveau bzw. die Sozialleistungen im Allgemeinen deutlich absenken wird. Ob dieses abgesenkte Niveau dann höher oder niedriger als in D sein wird, ist völlig offen. Zumindest aus heutiger Sicht sind die langfristigen Aussichten für die Entwicklung der Sozialsysteme in D besser, da in D keine so stark steigende Anzahl an zukünftigen Rentnern befriedigt werden muss (und eben die implizite Staatsschuld (bezogen auf das BIP) exorbitant geringer ist). Aber das kann sich natürlich ändern. Ich kann mich nur immer wiederholen: Das Einzige, was man objektiv sagen kann, ist, dass man heute objektiv keine hinreichend sicheren Prognosen für die zukünftige Entwicklung der Rentensysteme machen kann (weder für D noch für L).

Im Bereich der Naturwissenschaften kann man Entwicklungen der Vergangenheit (also die Naturgesetze) 1 : 1 auf die Zukunft übertragen, aber bei Finanzfragen geht das nicht, da sich da die Voraussetzungen ständig ändern. Vor 40 Jahren war L zB noch ein ziemlich armer Agrar- und Bergbaustaat, das hat sich dann schnell geändert und genauso schnell kann sich das auch wieder in die andere Richtung bewegen.


Was ich in meinen letzten beiden Postings begründet habe, ist, dass die tariflichen Gehaltserhöhungen in D höher ausgefallen sind/ausfallen als die in L (inkl. Index). (grade jetzt wieder die IG-Metall in BW mit 4,3% Lohnerhöhung). Diesbezüglich ist die Situation in D besser als in L.

Die angeführte Statistik, die Einkommen weltweit miteinander vergleicht, hat damit nichts zu tun. Die bezieht sich auf das (statische) Durchschnittseinkommen, das sich aus Lohn und Kapitaleinkünften zusammensetzt. Völlig unbestritten liegt hierbei L weit über dem Niveau in D. Dies hat verschiedenste Gründe: Zum einen gibt es in L einen vergleichsweise sehr hohen Anteil an Staats-/Kommunal-/Europa-Bediensteten (ich meine knapp 20% der Beschäftigten, wo jedoch Deutsche kaum arbeiten, da sie meist an den Sprachanforderungen scheitern), die weit mehr als der Durchschnitt verdienen und den Schnitt gewaltig nach oben ziehen. Zum anderen habe ich bereits darauf hingewiesen, dass es in D einen sehr grossen Niedriglohnsektor gibt (eben AUSSERHALB des tariflichen Bereichs, den es so in L nicht gibt), die den Einkommensschnitt in D stark nach unten ziehen. Und dann kommt noch ein ganz wesentlicher Punkt hinzu: Der eigentliche Reichtum der Luxemburger ist doch durch den Immobilienboom entstanden. Das Durchschnittshaushaltsvermögen in L liegt bei ca. 800.000 € (immobilienbedingt) und dann fallen oft vergleichsweise hohe Mieteinnahmen an bzw. horrende Veräusserungsgewinne. Und es gibt auch noch eine Reihe weiterer Gründe, warum das Durchschnittseinkommen in L weitaus höher als in D ist.

Was aber viel entscheidender ist:
Wie sieht die konkrete Situation eines "durchschnittlichen" Grenzgängers verglichen mit einem "durchschnittlich" tariflich Beschäftigten in D aus ? (dafür spielt diese Einkommensstatistik praktisch gar keine Rolle)
Da ist es nämlich meistens so, dass die Leute in L für gleiche Arbeit WENIGER brutto als in D bekommen. (es gibt hier Ausnahmen, z.B. in D der nicht tarifliche Niedriglohnsektor) Dieses wenigere Brutto ist dann zwar meist netto mehr als in D, aber wie ich ja schon in meinem konkreten Fallbsp. einige Postings zuvor geschildert hatte, bleibt da eben für den "durchschnittlichen" Grenzgänger meist kaum signifikant mehr als bei einer Beschäftigung in D zur freien Verfügung über (aber dafür exorbitant mehr Verkehrschaos etc.).
Und nochmal: Natürlich gibt es den durchschnittlichen Grenzgänger nicht und man kann Dinge nicht pauschalisieren und es gibt da definitiv auch etliche Ausnahmen.

ABER was ich prinzipiell zu vermitteln versuche, ist:
Es gibt in L gegenüber D sicher eine Reihe von Vorteilen, die ich überhaupt nicht in Frage stellen möchte. Es gibt jedoch auch eine Reihe von Nachteilen (neben vielem anderen, was ich schon ausführlich in diesem und v.a. einem anderen Thread dargestellt hatte, eben u.a. auch die niedrigeren tariflichen Gehaltssteigerungen).
Und wenn man sämtliche Vor- und Nachteile unvoreingenommen, objektiv gegeneinander abwiegt, halte ich es zumindest für fragwürdig, warum dann so viele Leute unbedingt in L arbeiten wollen.

Nochmal: Ich will niemanden daran hindern, in L zu arbeiten. Jemand, der zB an der luxemburgischen Grenze aufwuchs und in D in direkter Umgebung nix findet, aber den räumlichen Kontakt zu seinen Freunden erhalten will, für den ist es naheliegend in L zu arbeiten. NUR: Das Motiv der meisten mir bekannten L-Pendler in L zu arbeiten ist, dass sie in L weniger Steuern/Abgaben zahlen müssen und dadurch mehr netto haben (sieht man ja z.B. auch an dem Forum hier: da werden neben Arbeitsverträgen und Verkehrsproblemen meist nur Fragen aus dem Umfeld von Steuerrecht diskutiert, aber kaum jemand beschäftigt sich im Forum z.B. mit kulturellen Sehenswürdigkeiten etc.). Dieses steuerliche/abgabentechnische Motiv ist ja an sich auch nicht verwerflich, nur werden meiner Erfahrung nach andere relevante Dinge für die Wahl des Arbeitsortes ausgeblendet/ihnen keine wesentliche Bedeutung beigemessen. Ich habe den Eindruck, dass - jetzt etwas übertrieben formuliert - der Verstand bei manchen aussetzt, wenn nur im geringsten von Steuern/Abgaben sparen die Rede ist.

Alles, was ich probiert habe anzuregen, ist, dass man sich unvoreingenommen, sachlich und ergebnisoffen mit seiner Wahl des Arbeitsplatzstandortes auseinander setzen sollte; ich bin mir sicher, dass dann etliche nicht mehr in L arbeiten würden, wobei dieses Etliche keine kleine Minderheit ist.