zeze311, 13/02/2018

Hallo,

folgende Eckdaten zu meiner Person:

bis 19 Jahre: Gymnasium in Deutschland mit Abschluss Abitur
19 bis 24 Jahre: Studium An Hochschule in Deutschland mit Abschluss Master of Engineering
24 Jahre bis 29 Jahre (aktuell): Angestellter in Luxemburg

1.) Wie ist mein Renteneintrittsalter? Kann ich die vorgezogene Altersrente mit 60 Jahren in Anspruch nehmen? Zählen die Schul- und Studienjahre also zu den 40 Jahren hinzu?

2.) Nach den rund 5 Jahren Arbeitszeit in Luxemburg werde ich demnächst eine neue Arbeitsstelle in Deutschland annehmen. Macht es Sinn die Rentenversicherung in Luxemburg freiwillig weiterzuführen? Was ich bisher so gelesen habe, heißt die Antwort: JA! Allerdings müsste ich dann noch ordentlich in die Rentenversicherung einbezahlen (über 30 Jahre) ... Vorteilhaft wäre für mich dann wohl, wenn ich die Rente mit 60 in Anspruch nehmen kann (Frage 1), dann müsste ich 5 Jahre weniger einzahlen. Oder kann ich die Dauer der Einzahlungen selbst bestimmen? Also habe ich auch Rentenanspruch wenn ich z.B. noch 5 Jahre einzahle? Mir fehlt hier der Überblick, was am meisten Sinn machen würde.

3.) Was passiert mit meinen freiwilligen weiterführenden Einzahlungen in die Rentenversicherung im Todesfall? Ist das Geld dann weg oder hat jemand anders Anspruch auf die Rente oder Rückzahlung der Beiträge?

4.) Kann ich meine freiwilligen Beiträge in die Rentenversicherung in Deutschland steuerlich absetzen?
 bust, 16/02/2018

Ich kann dir deine Fragen aus (steuer)rechtlicher Sicht nicht mit der nötigen Gewissheit beantworten. Aber selbst wenn ich das mir einbilden würde zu können (oder jemand andres hier) empfehle ich bei solch finanziell weitreichenden Fragestellungen unbedingt den Kontakt mit einem ausgewiesenen Fachmann (im konkreten Fall müssten das Leute von der Rentenkommission beantworten können) ; ich würde mich jedenfalls bei solchen Fragen nicht alleine auf dieses Forum verlassen, da von diversen selbsternannten Experten hier z.T. zwar gut gemeinte, aber eben auch falsche/unvollständige Auskünfte mit z.T. weitreichenden Folgen gegeben werden (habe das schon wiederholt miterlebt).

Was aber viel wichtiger als die tatsächliche Klärung deiner Fragen ist, das sind folgende 2 Aspekte:

1.
Ein Experte kann dir die heutige (gesetzliche) Situation schildern. Die nützt dir aber bei deinem Problem nicht viel. Denn entscheidend für deinen Entscheidungsfindungsprozess wäre die gesetzliche Lage zu einem Zeitpunkt in 30 Jahren (und danach) zu kennen (bzw. auch noch während der Zeit bis zum Renteneintritt). Und diese Lage kann dir auch kein noch so grosser Experte vorhersagen. Wenn ich mich recht entsinne, haben die wohl vor kurzem die Anerkennung von Studiumszeiten für die Rente geändert (zählt jetzt wohl nicht mehr so wie früher), aber wie gesagt, das ist eh unerheblich; ich gehe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sich die gesetzlichen Regelungen noch öfters ändern werden in den nächsten 30 Jahren (und das eher zum Schlechteren hin; so erwarte ich z.B., dass das Renteneintrittsalter deutlich angehoben wird)

2.
Mir ist bekannt, dass eine sehr, sehr grosse Mehrheit (ehemaliger) deutscher Grenzgänger von dem lux. Rentensystem begeistert ist und da vielfach freiwillig einzahlt. Woher diese allgemeine Begeisterung kommt, kann ich nicht nachvollziehen (viele vergleichen immer nur das heutige Niveau miteinander und hören dann schon mit ihren Ueberlegungen auf). Du musst dir bewusst sein, dass du mit diesen Rentenzahlungen nicht deine eigene Rente finanzierst, sondern die fremder Leute. D.h. deine spätere Rente wird dann - so die Planung - im Wesentlichen von Leuten finanziert, die irgendwann mal in der Zukunft in L arbeiten sollen.
Das Problem dabei ist, dass bei der heutigen Planung und dem heutigen Sozialleistungsniveau davon ausgegangen wird, dass es zu einem kontinuierlichen Wirtschaftswachstum (und damit auch Beschäftigungswachstum) über die nächsten Jahrzehnte kommt; ich habe die staatlich implizit unterstellte Steigerungsrate (die eben für die Aufrechterhaltung des aktuellen Niveaus nötig ist) vergessen, aber meine, dass sie so im Bereich 3-4 % pa liegt. D.h. solange die Menge der Beitragszahler kleiner als die Menge der Beitragsempfänger (Rentner) ist, funktioniert das System und die Sozialleistungen sind vergleichsweise sehr hoch. Aber die wesentliche Frage ist, was passiert, wenn das Beschäftigungsniveau stagniert oder gar fällt ? Da ist es ziemlich offensichtlich, dass der lux. Staat sein derzeit immens hohes Sozialleistungsniveau nicht mehr aufrecht erhalten wird können. Dieser negative Effekt wird im Abschwungsfall auch noch dadurch verstärkt, dass dann noch signifikant höhere Arbeitslosengeldleistungen gezahlt werden müssen, aber dafür gar keine Arbeitslosenversicherungsbeiträge in L erhoben werden; also das belastet die Staatskasse nochmal zusätzlich enorm. Ein solches Stagnations-/Abschwungs-Szenario ist nicht grade unwahrscheinlich in Anbetracht der allgemein angestrebten europäischen Konvergenz u.a. auch in Hinblick auf eine Angleichung der Höhe der Steuersätze, wodurch wiederum Gefahren für die Wettbewerbsfähigkeit Luxemburgs in der EU entstehen etc.)

Ich war auf dieses Rentenproblem auch schon in meinem letzten Posting im Thread https://www.diegrenzgaenger.lu/index.php?p=edito&id=7817&f_a=disc&f_id=16915&page=1#Item_21 eingegangen. Ich empfehle dir bei deinem Entscheidungsfindungsprozess dich vor allem mit dem vergleichsweise exorbitant hohen impliziten Staatsdefizit in L und den damit verbundenen Konsequenzen auseinander zu setzen ( z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Generationenbilanz)

Fazit:
Dass es künftig in L zu Kürzungen in den Sozialsystemen (ua Rente) kommen wird, ist ziemlich offensichtlich. Die Frage ist natürlich, wie hoch diese Einschnitte ausfallen werden.
Ob du letztendlich mit einer Rente in L oder in D oder eigenständiger Vorsorge in 30 Jahren besser fährst, kann dir heute niemand hinreichend sicher prognostizieren. Ich will hier auch kein Weltuntergangsszenario für L prophezeien, allerdings wird es mit Sicherheit kein Selbstläufer werden, dass die Rente in L in 30 Jahren besonders profitabel sein wird - gelinde ausgedrückt .
Ich persönlich würde eher auf eigenständige Vorsorge aus versteuertem Einkommen setzen, die ich selber in der Hand habe und nicht von Entwicklungen abhängig bin, die ich und z.T. der lux. Staat gar nicht mal selbst beeinflussen kann (ob es anders besser wäre, wird sich erst in 30 Jahren oder noch später zeigen).
 info, 16/02/2018

Das Renteneintrittsalter und das Berechnungsmodell wurden doch schon angepasst, das war vor 6 Jahren. Ähnlich wie in Deutschland muss man mit dem Geburtsjahr gucken wann man in Rente gehen könnte. Wenn ich das richtig im Kopf hab ist jeder unter 30 auf jeden Fall betroffen.
Aus dem Gedächtnis, man muss glaub ich bis 68 arbeiten gehen um keine Abschläge zu haben, wer wie heute mit 65 in Rente gehen wird verliert 15%.