McWeb1, 13/02/2018

Hallo,
ich habe folgenden Fall:
Beide Ehepartner Grenzgänger, Verheiratet mit Kindern, seit Sommer 2017 getrennt lebend, Kids sind bei Ehefrau.

Wir haben nun unsere 2018er Steuerkarten erhalten mit dem Unterschied zu 2017, dass wir nicht wie vorher (normal) in Steuerklasse 2 (verheiratet) sondern nun in Steuerklasse 1 (Alleinstehend) eingestuft wurden.

Auf Nachfragen wurde uns von der Steuerbehörde mitgeteilt, dass wir solange in Steuerklasse 1 (Alleinstehend) bleiben, bis wir geschieden sind. Erst danach hat man wieder den Anspruch – lediglich für max. 3 Jahre - in die Steuerklasse 2 zurück zu kehren.

Laut Auskunft betrifft diese Regelung ausschließlich Grenzgänger („non residents“) und nicht in Luxembourg ansässige („residents“).

Noch einmal zum Verständnis: Es bleibt die gleiche Situation wie vorher, nur dass es zwei getrennte Haushalte/Adressen gibt. Wir sind nach wie vor die gleichen Eltern, die Kinder haben sich nicht in Luft aufgelöst etc …

Mein Rechtsverständlich stößt hier an seine Grenzen.

Die Konsequenzen aus dieser Regelung sind aus meiner Sicht fatal:
Durch die Einstufung in die Steuerklasse 1 habe ich >15% weniger Netto gegenüber vorher, zahle Unterhalt d.h. am Monatsende bleibt ein – Minus übrig (d.h. Rücklagen werden aufgebraucht)!

Durch diese Regelung werden getrenntlebende Familien mit Kindern an das Existenzminimum gerückt!

Was möchte der Luxembourger Staat mit dieser Regelung bezwecken???
Weshalb gilt diese Regelung nur für Grenzgänger - „non residents“ ???

Nach meiner Meinung sollten getrenntlebende bzw. geschiedene (Ehe-) Partner mit Kindern nach wie vor in der Steuerklasse 2 bleiben können. Die Förderung von Familie im Beruf sollte nicht mit einer Trennung/Scheidung enden.
Man bleibt nach wie vor Eltern – nur mit dem Unterschied, dass man nicht mehr zusammen an einer Adresse lebt. Die Elternpflichten bleiben!
Damit wäre ebenfalls sichergestellt, dass der Unterhaltspflichtige seiner Verpflichtung nachkommen kann, was auch so schon schwer genug ist!
Zwei Haushalte zu führen ist kostenmäßig aufwendiger (monatliche Miete, Versicherung etc.).

Eine solche Regelung würde eine beiderseitige gütliche Regelung eher unterstützen als die beteiligten in die Steuerklasse 1 (Alleinstehend) einzugruppieren. Der Kostendruck ist da !!!

Ein nicht zu unterschätzender weitere Vorteil dieser Lösung wäre zudem, dass eine Trennung/Scheidung nicht auf dem Rücken der Kids ausgetragen werden muss, da die Steuerabzüge in Steuerklasse 2 nicht so hoch sind wie in Steuerklasse 1.

So nüchtern, wie diese Steuerregelung ist, kann man auf keinen Fall eine Trennung/Scheidung vollziehen.

Dass man in die Steuerklasse 1 kommt, wenn bspw. die Kids später nach einer Ausbildung ins Berufsleben starten und für ihre eigenes Einkommen sorgen, ist für jeden nachvollziehbar – aber nicht in solch einer Situation.

Jeder der in dieser Situation war, ist oder kommt wird mir sicherlich hier zustimmen!!!

Auch wenn man später möglicherweise die Möglichkeit hat, diese Sondersituation bei der Steuererklärung teilweise etwas gelten zu machen, fehlt zunächst monatlich ein gravierende Betrag im Nettogehalt.

Bitte teilt mir eure Sichtweise, eure Erfahrungen oder Tipps in einer gleichen oder ähnlichen Situation mit.

Vielen Dank im Voraus
 Ruwertal, 14/02/2018

Hallo,

unschön aber so kenne ich es auch von anderen.
Ab Zeitpunkt der Trennung wenn man diese auch der Steuerbehörde mitteilt bis zur rechtsgültigen Scheidung Steuerklasse 1 und dann 3 Jahre Steuerklasse 2 und dann wieder normal 1.

Habt Ihr denn einen gemeinsamen Steuersatz bekommen oder jeder einen anderen ?
Was du auf jeden Fall machen kannst soweit ich weiss ich den Kinderunterhalt auf deiner Steuerkarte eintragen zu lassen (bis 4020 EUR pro Kind pro Jahr) und dies wird dann monatlich direkt berücksichtigt in der Lohnabrechnung.

Hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.
 info, 14/02/2018

Aktuell gibt es doch eh nur noch den Individualsteuersatz, völlig egal an was ihr mit 1 oder 2 nach dem alten System denkt. Daher ist das nach aktuellem Recht absolut hinfällig.
 Ruwertal, 14/02/2018

das stimmt nicht. Ich habe keinen individuellen und meine Steuerkarte sieht dieses jahr aus wie letztes Jahr.
 ElCaballero, 14/02/2018

Ein Trost, der Unterschied zwichen Klasse 1 und Klasse 2 ist eh nur noch ganz klein und ein Unterschied gibts es auch nur noch wenn der eine Partner wirklich sehr sehr viel mehr als der andere verdient....habe viele Simuluationen gemacht um dies zu vergleichen in den neuen Similator und Klasse 1 und Klasse 2 sind (wenn beide Partner nicht gewaltig unterschiedlich verdienen) identisch. Nur bekommt man in die 2 erstmal mehr netto im Monat aber das kann man danach wenn die Abrechnung kommt dann ja eh alles wieder zurück zahlen,
 Manta1, 14/02/2018

Aufgrund deines geringeren Nettos sinkt aber auch deine Unterhaltszahlung. Die bleibt nämlich nicht gleich. Oder hat dir das dein Anwalt nicht mitgeteilt?
 McWeb1, 14/02/2018

Wir sind beide nun in der Steuerklasse 1. Es gibt keinen Individualsteuersatz bei uns ...

Leider kann ich mir vom Trost – ElCaballero - nichts kaufen ... ;-) Deine Ausführungen sind für mich sehr hypothetisch.
Für mich stellt sich die Situation wie oben beschrieben dar.

Natürlich sinkt aufgrund des geringeren Nettos die Unterhaltszahlung. Nur fällt diese im Verhältnis kaum ins Gewicht !!!

Welche Möglichkeiten gibt es für mich …?

Weshalb betrifft diese Regelung nach meinen Informationen ausschließlich Grenzgänger … ?

Ich halte die Rückstufung von Steuerklasse 2 in die Steuerklasse 1 innerhalb der Trennungsphase generell für eine schlechte Regelung.
Jeder der eine Trennung einmal durch lebt hat weiß wo von ich spreche. Die Situation ist neu, man muss vieles erst verkraften, man muss zudem die finanzielle Situation regeln – dazugehört u.a. der Unterhalt, zusätzliche Kosten für Wohnung/Haushalt etc.

Nun kommt die Rückstufung von Steuerklasse 2 in die Steuerklasse 1 erschwerend hinzu. Muss das sein ??? Wäre da nicht die Regelung besser, diese Rückstufung erst nach 3-4 Jahren vornehmen zu müssen.
 Manta1, 15/02/2018

Es tut mir leid, diese Situation kenne ich von meiner Scheidung auch. Allerdings gingen dabei noch Dreistigkeit des Familiengerichts und der vertretenden Anwältin (weil in NRW Gericht zuständig war) einher.

Mit Diskriminierung hat das aber nichts zu tun. In Deutschland gibt es schließlich auch keine Erleichterung. Im Gegenteil, die Abseztungsfähigkeit bei der Steererklärung wurde sogar noch kassiert. Diese Möglichkeit hast du aber in Lux (bis 24.000 EUR kannst du anbringen).
 ElCaballero, 15/02/2018

@ McWeb1
Also du kannst dir von mein Trost nix kaufen schreibts Du, aber ich behaupte wenn du wieder in Klasse 2 wärst könntest du dir davon auch nix davon kaufen…mach einfach mal die Simulation :
http://www.guichet.public.lu/citoyens/de/impots-taxes/activite-salariee-resident/changement-situation-perso/imposition-collective-individuelle/index.html

- Formulare /Online Dienste
- My guichet
- Sicherheitsfrage ausfüllen+ Nutzungsbedingungen box checken

In schritt 2 : 2018 + 2x Deutschland wählen - Wir wünschen eine Simulation....blablabla... box checken

Bei Gewinne Inländisch von beiden ein Jahres Bruttolohn ausfüllen , mehr nicht - weiter
Oben „Zusammenveranlagung Klasse 2“ wählen und sehe unten das Resultat was fällig ist an Steuern
Oben „Strikte Einzelveranlagung in Klasse 1“ wählen und sehe unten das Resultat

Ich habe jetzt noch mal 2 Simulationen gemacht :
1 Simuaton : Partner 1 verdient 100.000 – Partner 2 verdient 60.000
Resultat in Klasse 2 : Zu zahlen steuern : 44.525 €
Resultat in Klasse 1 : Zu zahlen steuern : Partner 1 : 30.608 € - Partner 2 : 13.916 : Total : 44.524 €
Also Klasse 1 und 2 sind identisch im Totalresultat – In Klasse 1 zahlt jeder partner natürlich Monatlich anteilig nach seinem Bruto unterschiedlich mehr oder weniger steuern aber das ist ja auch nur logisch und korrekt so.

2 Simulation : Partner 1 verdient 100.000 – Partner 2 verdient 40.000 - mehr als 50% differenz zwichen beiden
Resultat in Klasse 2 : Zu zahlen steuern : 36.179 €
Resultat in Klasse 1 : Zu zahlen steuern : Partner 1 : 30.608 € - Partner 2 : 5.763 : Total : 36.371 €
Klasse 2 ist um 192 € günstiger, wow, das sind 16 € im Monat günstiger.

Also nochmal, es gibt in den meisten Fällen kein Unterschied zwichen Klasse 1 und 2, ausser wenn der eine Partner 50% mehr als der andere verdient dann ist Klasse 2 etwas günstiger aber der Unterschied ist peanuts.
Ausserdem hat Klasse 1 der Vorteil das man nicht mehr diese 3-monatliche Vorauszahlungen machen muss und dann so gut wie immer nochmal nachzahlen müss wenn die Endabrechnung kommt. In Klasse 1 ist dein netto auch wirklich netto und es gibt keine Nachzahlungen mehr sondern nur noch Rückerstattungen.
 Manta1, 15/02/2018

Die steuerliche Diskussion führt bei allen Ausführungen in Ehren auch wenn es gut gemeint ist, zu nichts. Denn das Problem liegt woanders.

1.)
Zum einen, sprechen wir ja, weil noch nicht geschieden, vom Trennungsunterhalt, nicht zu verwechseln mit nachehelichem Unterhalt. Der Trennungsunterhalt fällt dann an, wenn einer der beiden Partner mehr verdient als der andere, um dem weniger Verdienenden den Aufprall ins "Singledasein" finanziell weniger heftig ausfallen zu lassen. Daher werden bei beiden Einkommen die Nettokeinkommen abzgl. anrechenbarer Aufwände (Lebensunterhalt, Kredite, Altersvorsorge, Kilometeraufwand etc.) zusammengerechnet und durch 2 geteilt. Anschließend erhält der weniger Verdienende 3/7 de frei verfügbaren Summe des besser verdienenden. Solange, bis die Scheidung rechtskräftig ist. Sprich nach Erhalt des Schreibens des Familiengerichts mit dem "Scheidungsurteil".

Schwierig ist es, wenn du Wohneigentum selbst bewohnst, weil eine Art Geldwerter Vorteil (ähnlich wie bei Dienstwagen) angerechnet wird, wenn deine Noch-Frau das Wohneigentum noch bewohnt, dann hat sie das Problem.

Wenn du von Steuerklasse 2 in 1 rutscht, ändert sich ja schonmal die Ausgangslage des zugrundeliegenden Nettoeinkommens spürbar.
2.)
Dann scheinen bei dir Kinder im Spiel zu sein. Diese sind vorrangig im Unterhalt zu bedienen, d.h. diese Aufwände müssten ebenfalls zu Abzügen bei dir und "Erträgen" bei deiner Noch-Frau führen. Des Weiteren hast du einen Minimum-Selbstbehalt (1100 EUR), der dir zum Leben bleiben muss.

Daher, falls du nicht schon einen Anwalt hast, kann ich dir nur raten einen aufzusuchen und dich bzgl. deiner Situation beraten zu lassen.

An der Gesamtsituation, dass ihr beide weniger Einkommen habt, kann man nichts ändern, außer zu schauen, welche Aufwände man zeitweilig aussetzen kann. Und noch eins: Vermögen bei einer SCheidung ist immer Mist. Ob du es jetzt aufbrauchst oder später bei der Vermögensaufrechnung abtrittst, welchen Unterschied macht es? Beides ist sch***e. Ich spreche aus Erfahrung.