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Politik

Arbeitslosigkeit der Grenzgänger

Einem Bericht der Gewerkschaft LCGB zufolge stellt sich die Situation der Grenzgänger in Sachen Arbeitslosigkeit schlimmer dar, als bislang angenommen. Demnach haben bereits tausende deutsche Grenzgänger ihren Arbeitplatz in Luxemburg verloren.

Veröffentlicht par KaptanListe die 16/12/2009 | 8.858 Ansichten

Arbeitslosigkeit der Grenzgänger

Der Nationalpräsident des Luxemburger Christlichen Gewerkschaftsbundes (LCGB) und Parlamentsabgeordnete Robert Weber hat am Dienstag im Rahmen einer öffentlichen Parlamentssitzung eine Reihe von Fragen über die Arbeitslosigkeit von Grenzgängern an den zuständigen Arbeitsminister Nicolas Schmit gerichtet.
 
Robert Weber unterstrich die Bedeutung der Grenzgänger für die luxemburgische Wirtschaft und wies gleichzeitig darauf hin, dass in den offiziellen Statistiken die Arbeitslosigkeit der Grenzgänger nicht auftaucht. Diese statistischen Daten sehen aktuell wie folgt aus:

Arbeitslosigkeit/Ansässige (Luxemburg – Oktober 2009)

14.062 (bei der ADEM eingeschriebene Arbeitssuchende)
3.270  (externe Reklassierungen)
3.278  (Menschen in Beschäftigungsmaßnahmen)
20.610 (Gesamt)

Im Oktober 2009 wurden 1.221 freie Stellen gezählt.
 
2009 waren/sind ca. 44% (147.400) der 335.700 in Luxemburg beschäftigten Arbeitnehmer Grenzgänger. Davon:

  • 49,5% aus Frankreich
  • 25,5% aus Belgien
  • 25% aus Deutschland

Arbeitslosigkeit der Grenzgänger

Seit August stagniert die vorher stetig steigende Beschäftigung in Luxemburg. Die globale
Anzahl der Grenzgänger ist dabei leicht zurück gegangen. Vorher sind zwischen 60 und 70%
der neuen Stellen von Grenzgängern besetzt worden. 2009 waren es lediglich 39 %.
 
Der zuständige Minister bestätigte, dass im September 2009 ca. 1.800 Grenzgänger das
Formular E301 in Luxemburg beantragt haben. Dieses Formular wird in Frankreich und
Deutschland zwingend zur anschließenden Beantragung von Arbeitslosenunterstützung
benötigt – es kann somit als Indikator für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei den
Grenzgängern dienen (lediglich in Belgien ist das Formular nicht zwingend vorgeschrieben).
Davon: 

  • 1.438  Anträge von Grenzgängern aus Frankreich
  • 307  aus Deutschland
  • 114  aus Belgien

Mehr als 1/3 (654) der Antragsteller hatten vorher Interimsverträge (80% der
Interimsbeschäftigten in Luxemburg sind übrigens Grenzgänger – davon stammt die
Mehrzahl aus Frankreich). 
Viele Grenzgänger in Luxemburg befanden sich zudem in befristeten Arbeitsverträgen
(contrats à duréee déterminée – CDD).
 
Die 1.800 E301-Antragsteller von September 2009 teilen sich u.a. in folgende Bereiche auf:

  • Bausektor:  185 (48% der Arbeitnehmer in dem Bereich sind Grenzgänger)
  • Gastronomie/HORESCA:  124 (35% Grenzgänger) 
  • Finanzsektor: 86 (50% Grenzgänger)
  • Dienstleistungen: 218 (58% Grenzgänger)
  • Handel: 154 (50% Grenzgänger)

Über die Gesamtzahl der Grenzgänger, die in den vergangenen Monaten in Luxemburg ihren
Arbeitsplatz verloren haben, konnte der Minister keine Auskunft geben. Zahlen des nationalen
Konjunkturkomitees zufolge, wurden jedoch zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 nicht
weniger als 21.995 E301-Formulare beantragt. Davon: 

  • 16.535 Anträge von Grenzgängern aus Frankreich
  • 3.516  – Deutschland
  • 1.256  – Belgien

Diese Zahlen sagen nicht zwingend aus, dass sich die Antragsteller zum heutigen Zeitpunkt
noch in Arbeitslosigkeit befinden, doch bei all diesen Menschen ist zu einem bestimmten
Zeitpunkt im Laufe des letzen Jahres ein Beschäftigungsverhältnis in Luxemburg geendet.
Man muss somit zwingend schlussfolgern, dass die Situation auf dem luxemburgischen
Arbeitsmarkt im Grunde noch viel schlimmer ist, als es die offiziellen Zahlen aufzeigen.
 
Arbeitslosenunterstützung

Ein Grenzgänger, der seine Arbeit in Luxemburg verliert, muss sich in seinem Wohnland um Unterstützung bemühen. Von der luxemburgischen Administration de l’Emploi (ADEM) bekommt er nichts. Außerdem verliert er seine Krankenversicherung.
 
Ab Mai 2010 muss Luxemburg auf der Basis eines europäischen Reglements an das Wohnland des Grenzgängers, der in Luxemburg seine Arbeit verloren hat, 3 Monate Arbeitslosenunterstützung zum Tarif des Wohnlandes für diesen überweisen. Robert Weber befragte den Minister zum Ist-Zustand der entsprechenden bilateralen Abkommen. Hier gelte es noch genaue Vorgehensweise und Zahlenmaterial abzuklären so Nicolas Schmit in seiner Antwort.

Quelle: LCGB
 

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Mensa
41 Kommentare
Vor 11 Jahren

Den Bericht kann ich voll bestätigen. Von meinen ehemaligen Kollegen aus der Bank, welche in 2008 und 2009 ihren Job verloren haben, hat bis heute kein einziger eine neue Festanstellung gefunden!

Teilweise haben einige Zeitverträge, mit 1-3 Monaten Laufzeit und das für etwa die Hälfte des Gehaltes zwischenzeitlich finden können.Größtenteils haben die Leute 10-20 Jahre Berufserfahrung und sind im Alter zwischen Ende 30 und Mitte 40.

Mir hat man nach 10 Jahren auch gekündigt. Heute arbeite ich in einer anderen Branche in der es
aber auch nicht rosig aussieht und zur Zeit Kurzarbeit auch für Büroangestellte läuft. Überall höre ich im Freundes- und Bekanntenkreis über Entlassungen in Luxemburg bzw. Kurzarbeit.

Ich denke, man konnte nicht länger die Umstände totschweigen, da es mittlerweile zu viele sind und sich die Neuigkeiten rasend schnell verbreiten. Schließlich ist die Region hier relativ klein und man kennt sich.
Da lassen sich die Arbeitslosenzahlen nicht so ohne weiteres schönrechnen...