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Politik

Fragwürdige Steuerpraktiken in Luxemburg

"Luxemburg-Leaks" ist das aktuelle Thema im Großherzogtum - und nicht nur dort. Ein aufgetauchtes Geheimdokument ermöglichen einen neuen Einblick in die Steueroase Luxemburg.

Veröffentlicht par KaptanListe die 06/11/2014 | 4.839 Ansichten

Besonders für große Konzerne ist Luxemburg ein Paradies.
Deutsche und internationale Konzerne vermeiden einem Bericht der „Süddeutsche Zeitung“ zufolge mit Unterstützung der Luxemburger Regierung Steuerzahlungen in Milliardenhöhe.

Dem Bericht zufolge soll das Großherzogtum komplizierte Finanzstrukturen genehmigen und großen Unternehmen damit ermöglichen, teilweise weniger als ein Prozent Steuern zu zahlen.
Die Steuervereinbarungen ermöglichen auf diese Weise über 340 Firmen ganz legal Steuern zu sparen.
Dazu gehören zum Beispiel Pepsi, IKEA, FedEx und viele andere Konzerne.
In dem Datensatz hätten sich auch Informationen zu den DAX-Konzernen Deutsche Bank, E.ON und Fresenius Medical Care gefunden.
Die Zeitung beruft sich in ihrem Vorabbericht auf die Auswertung von 28.000 Seiten geheimer Dokumente durch das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ).

Maßgeblich beteiligt ist das Beratungsunternehmen Price Waterhouse Coopers (PWC), welches die Strukturen für die Unternehmen entwickelte.
Das Luxemburg-Leaks zitiert beispielsweise aus einem E-Mail-Wechsel zweier PwC-Partner zu einem Steuervermeidungs-Konstrukt, das sie für den Baumaschinenkonzern Caterpillar entworfen hatten und von dem sie fürchteten, dass es auffliegen könnte.
Er solle sich bereit machen, ein paar Nebelkerzen zu zünden, wird aus einer Mail des zuständigen PwC-Partners Thomas Quinn an den Kollegen Steven Williams zitiert. “Was soll’s”, antwortet der. “Wir werden alle pensioniert sein, wenn das hochkommt.”

Die bisher geheimen Dokumente zeigten, wie zahlreiche multinationale Firmen vom System Luxemburg profitiert haben.
Die Unterlagen stammen vorwiegend aus den Jahren 2008 bis 2010 und fallen damit in die Amtszeit des damaligen Premierministers Jean-Claude Juncker.
“Ich werde in den Fällen keinen Einfluss auf die Geschehnisse nehmen. Ich werde mein Amt nicht missbrauchen”, sagte Juncker dem NDR. Er wolle sich da nicht einmischen.
Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel verteidigt die Steuerpolitik.
“Was Luxemburg gemacht hat, war okay”, sagte er der “Süddeutschen Zeitung”.
Sein Land sei keine Steueroase. “Ich kann aber die Steuern nicht erhöhen, nur weil es dann meinen verschuldeten Nachbarländern besser geht”, so der Premierminister.
 
Zu den Leaks geht es hier.
Das Interview der SZ mit Xavier Bettel kann hier nachgelesen werden.

Hintergrund (Quelle Wikipedia)

Das Leak besteht aus insgesamt 28.000 Seiten bisher geheimer Steuerdokumente von 343 Unternehmen.
Ende April 2014 begannen 80 Journalisten in 26 Ländern mit der Aufbereitung der Daten.
Die Recherche wurde vom International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) koordiniert, finanziert wurde die Arbeit durch das Center for Public Integrity.[2]
An der Veröffentlichung waren neben dem ICIJ die Süddeutsche Zeitung, Le Monde, The Guardian, WDR und NDR beteiligt.
Maßgeblich beteiligt an der Erarbeitung der Steuersparmodelle ist die Beratergesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).[2]
Die Deutsche Bank ist in Luxemburg und anderen Steueroasen mit Fondsgesellschaften ansässig.
Über die Fonds wurden Geschäfte mit Immobilien in Europa abgewickelt, ohne dass dabei nennenswerte Steuern anfielen.
Der Energiekonzern E.ON und das Gesundheitsunternehmen Fresenius Medical Care vergaben über Tochtergesellschaften in Luxemburg Kredite an andere Töchter außerhalb Luxemburgs. Fresenius Medical Care gab selbst an pro Jahr so fast eine Million Euro Steuern zu sparen.
Die Konzerntöchter von E.ON überwiesen Zinsen nach Luxemburg, was die Gewinne der Unternehmen außerhalb Luxemburgs und damit die Steuerlast des Unternehmens insgesamt senkte.

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Anderswo im Internet

LuxRacer
122 Kommentare
Vor 6 Jahren

Die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PwC) teilte mit, sie handele "in Übereinstimmung mit lokalen, europäischen und internationalen Steuergesetzen" - wenn dem so ist, gibt's eigentlich nix zu meckern und ist dann auch nicht fragwürdig. Moralisch vielleicht nicht ok, aber wenn interessiert bei den grossen Unternehmen schon die Moral.

pendler111
500 Kommentare
Vor 6 Jahren

Ich hab gehört, Pwc hätte darauf verwiesen, dass die Unterlagen gestohlen und ohnehin veraltet seien.
Spricht für sich.
Die Moral könnte Lxemburg zu spüren bekommen, denn das Interesse an dem Thema ist auch seitens der EU gross.
Hoffentlich bekommen da Unternehmen mal keine Imageprobelme.

LuxRacer
122 Kommentare
Vor 6 Jahren

Die einfache Lösung klingt plausibel, Luxemburg wird jetzt versuchen die Kurve zu bekommen und mit anderen weiterhin versuchen die "einfache Lösung" zu verhindern.Denn dann werden sicher einige grosse Unternehmen "Goodbye" sagen und Luxemburg (und wir) haben ein Problem...

henkel12
249 Kommentare
Vor 6 Jahren

Ein Moralapostel in Finanz- und Steuerfragen sollte sich grundsätzlich überlegen, ob er in Luxemburg ausserhalb der Landwirtschaft und dem Tourismus arbeiten will. Und selbst im Tourismus muss die Frage berechtigt sein, wie die Beschäftigiten mit ihren Trinkgeldern umgehen. Ausserdem unterliegen moralische Ansichten stark dem Zeitgeist.
Auch innerhalb der Nachbarländer besteht Steuerwettbewerb zwischen den Komunen. Vielleicht kommt auch mal die Zeit, dass das moralisch problematisch wird.
Wir sollten uns auf die juristische Bewertung dieser Vorgänge beschränken und danach scheint auf der Basis der aktuellen Bestimmungen alles ok zu sein.
Ich befürchte nur, dass wir hier den medialen Krieg der benachbarten Finanzbehörden gegen Luxemburg in der nächsten Stufe sehen. Und wenn die Medien lange genug ihre "Wahrheiten" verbreiten, wird der Zeitgeist schon dafür sorgen, dass die neu gewonnene Moral in europäisches Recht umgesetzt wird.

mimsafreddi1
986 Kommentare
Vor 6 Jahren

Irgendwie profitieren wir als Grenzgänger doch alle von der "Steueroase" Lux, oder nicht?

LuxRacer
122 Kommentare
Vor 6 Jahren

ja klar, die Frage ist wie lange noch, könnte dann schnell mal uninteressant werden in Luxemburg zu arbeiten und den nicht unerheblichen, täglchen (verkehrstechnischen) Aufwand zu betreiben. Das wissen natürlch die Luxemburger auch und werden schon Mittel und Wege finden damit wir hier bleiben (hoff ich).