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Politik

Wirtschaft in der Großregion

Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat der Wirtschaft in der Großregion. Am Donnerstag fand in Luxemburg eine Zukunfskonferenz des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Großregion statt.

Veröffentlicht par KaptanListe die 03/04/2009 | 2.949 Ansichten

Wirtschaft in der Großregion

Klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) sind das Rückgrat der großregionalen Wirtschaft. Sie tragen in entscheidendem Maße zum Wirtschaftswachstum und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der Großregion bei. In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise stehen klein- und mittelständische Unternehmen jedoch vor großen Herausforderungen. Am 2. April 2009 wurden auf Einladung des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Großregion (WSAGR) unter der Schirmherrschaft des luxemburgischen Mittelstandsministers in der Handwerkskammer Luxemburg die Risiken und Chancen, denen der Mittelstand in der Großregion heute gegenübersteht, diskutiert. Hochrangige Wirtschaftspolitiker und 200 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft aus allen Teilregionen der Großregion haben an der Konferenz teilgenommen.

Durchweg positiv war das Fazit, das die ca. 200 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft, die der Einladung des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Großregion gefolgt waren, aus der eintägigen Veranstaltung zogen: Auch in einer Krise liegen Chancen. Nur wer diese schnell und entschlossen ergreift, eingefahrene Verfahren hinterfragt und neue Wege beschreitet, kann sie als Zukunftschance nutzen. Als Gastgeber zeigte sich der Vorsitzende des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Großregion, Norbert Geisen, zuversichtlich: „Uns eint in der Großregion das Ziel, möglichst alle Unternehmen und deren Belegschaften gestärkt durch die Krise zu bringen. Es gilt, die KMU dafür zu sensibilisieren, die Möglichkeiten zu erkennen, in der derzeitigen Krisenlage das eigene Geschäft auszubauen, und die Großregion hierbei nicht als Hemmnis sondern als Marktchance zu begreifen.“

Wie es Unternehmen gelingt, ihr Geschäft trotz bestehender Markthürden in Krisenzeiten erfolgreich über die Grenzen hinweg auszubauen, wurde am Vormittag der Veranstaltung im Rahmen von drei Workshops diskutiert.

Klein- und mittelständische Unternehmen in der Großregion unterschätzen häufig ihre Stärken, so dass die insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geforderte Anpassungsbereitschaft und Aufgeschlossenheit gegenüber Innovation und neuen Technologien oft auf der Strecke bleibt. Aktive Unterstützung zur Verbesserung der Innovationsleistung erhalten Unternehmen in der Großregion über zahlreiche Unterstützungs- und Beratungsangebote der Kammern, Innovationsnetzwerke und Verbände.

Die Investition in innovative Unternehmensabläufe und Technologien ist ebenso wichtig für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit wie die Investition in den eigenen Nachwuchs. Zahlreiche Unternehmen in der Großregion sind vom Fachkräftemangel betroffen und tun sich schwer, neue internationale Märkte zu erschließen. Aufgezeigt wurde, wie Firmen gezielt die existierenden Vermittlungs- und Qualifizierungsangebote sowie Fördermöglichkeiten für ihre Personalentwicklung nutzen können, um bei anziehender Konjunktur mit qualifizierten Fachkräften gut aufgestellt zu sein.

Den Schritt über die Grenze zu wagen, ist für viele Unternehmer mit der Überwindung zahlreicher Hürden verbunden. Doch die Realität hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert und eine Reihe an administrativen Hemmnissen konnte beseitigt werden. Mit der bisher ausländischen Bauunternehmen ohne französische Niederlassung verwehrten Möglichkeit zum Abschluss der in Frankreich vorgeschriebenen zehnjährigen Gewährleistungshaftpflichtversicherung („Assurance Décennale“) schafft eine deutsche Bauversicherung eine wesentliche Hürde aus dem Weg. Auch im Bereich der Entsendung konnten Fortschritte zugunsten der Unternehmen erzielt werden, wie etwa durch Internet gesteuerte Entsendemitteilungen in Belgien, durch Abschaffung der Bestellung eines ad hoc Vertreters oder durch die Ablösung der bisher auftragsgebundenen Meldepflicht beim Mittelstandsministerium durch ein jährliches Anmeldeverfahren in Luxemburg.

Dennoch sind längst nicht alle Hemmnisse aus dem Weg geräumt. Handlungsbedarf besteht u.a. im Bereich Mehrwertsteuer. Zahlreiche Unternehmen beklagen schleppende Mehrwertsteuerrückerstattungen und bürokratische Hürden bei der Beantragung einer MwSt.-Nummer.

Die Teilnehmer der Konferenz forderten daher praxistaugliche und unbürokratische Verfahren sowie institutionelle Vorkehrungen, um etwaige Hemmnisse gar nicht erst entstehen zu lassen. Hier erhoffen sich die Unternehmen Unterstützung von den politisch Verantwortlichen in der Großregion. Diese nahmen sich am Nachmittag der Veranstaltung der Anliegen der Klein- und Mittelbetriebe an. Referenten waren die zuständigen Staatssekretäre der Teilregionen Rheinland-Pfalz, des Saarlandes und Walloniens sowie der Vize-Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Ferner nahmen der Präfekt der Region Lothringen, die für KMU zuständige Vize-Präsidentin des Regionalrats Lothringen, der Präsident des Generalrats Moselle sowie der Delegierte für grenzüberschreitende Fragen des Generalrats Meurthe-et-Moselle Stellung zur Frage der Zukunft der KMU in der Großregion.

Dass die Krise auch in der Großregion ihre Kreise zieht, betonte u.a. der Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums, Herr Prof. Dr. Siegfried Englert: „Zunehmend schlagen die Effekte auch auf die mittelständischen Zulieferer durch.“ Deshalb habe die Landesregierung schnell und mit Fokus auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen gehandelt. Auch die anderen Teilregionen blieben nicht untätig: zahlreiche Fördermöglichkeiten stehen den KMU in der Großregion zur Verfügung. Gefördert werden u.a. Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen, im Bereich der Energieeffizienz und der Energieversorgung und der energetischen Gebäudesanierung.

Die politisch Verantwortlichen hoben ferner die starken Verflechtungen zwischen den einzelnen Teilregionen und die Notwendigkeit zu einem regelmäßigen Dialog hervor. Eine Austauschplattform für einen intensiven Austausch zwischen Politik und Wirtschaft zu bieten, war das Hauptziel der unter der Schirmherrschaft des luxemburgischen Mittelstandsministers, Fernand Boden, vom Wirtschafts- und Sozialausschuss ausgerichteten Konferenz. „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, erstmals die für KMU zuständigen politisch Verantwortlichen aller Teilregionen der Großregion an einen Tisch zu bringen, um die drängenden Probleme der Klein- und Mittelbetriebe der Großregion zu diskutieren. Die Politik ist gefordert, durch mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen in der Großregion dafür zu sorgen, dass die Betriebe als entscheidende Arbeits- und Ausbildungsplatzgeber stabilisiert und bestehende Wettbewerbsverzerrungen in der Großregion beseitigt werden.“, so Norbert Geisen.

Dies betonte auch der Vorsitzende des XI. Gipfels der Großregion, Luxemburgs Innenminister Jean-Marie Halsdorf, der die Initiative des Wirtschafts- und Sozialausschusses ausdrücklich begrüßte. Um weiterhin die wichtige Rolle als Antriebskraft für die Wirtschafts- und Beschäftigungsdynamik in der Großregion einnehmen zu können, müssten die KMU über die „notwendigen Rahmenbedingungen und Instrumente“ verfügen, so Halsdorf.

Zugleich komme nach Ansicht der anwesenden politisch Verantwortlichen den Kreditinstituten eine wesentliche Verantwortung zu, die durch eine weniger restriktive Kredit-Vergabe ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen sowie zur Erhöhung der betrieblichen Investitionen leisten können.

Welche Zukunft für Klein- und Mittelbetriebe in der Großregion? Trotz allgemein getrübter Wirtschaftslage wurde diese Frage am 2. April in der Handwerkskammer Luxemburg im positiven Sinne beantwortet: Der Mittelstand in der Großregion hat alle Chancen, auch in der Zukunft eine tragende Rolle zu spielen. Die in der Großregion ansässigen Klein- und Mittelbetriebe werden diese Chance nutzen, und dies umso besser, je günstiger die Rahmenbedingungen sind, die die Politik in der Großregion setzt. Der intensive eintägige Austausch zwischen Vertretern aus Politik und Wirtschaft hat gezeigt, wie wichtig in diesem Zusammenhang, gerade in Krisenzeiten, ein regelmäßiger Dialog auf grenzüberschreitender Ebene ist. Die erstmalige Zusammenkunft der für Wirtschaft zuständigen politisch Verantwortlichen aller Teilregionen der Großregion in der Handwerkskammer Luxemburg hat hierfür einen wichtigen Grundstein gelegt.

Quelle: www.granderegion.net

 

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