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770 Entlassungen im Bankensektor

Die Bank- und Finanzgewerkschaft Aleba hat in ihrer aktuellen Mitgliederzeitschrift „Aleba-Info“ Zahlen und Kommentare zu den Auswirkungen der Krise auf den Finanzsektor veröffentlicht.

Veröffentlicht par KaptanListe die 30/12/2009 | 360 Ansichten

 

 

Die Finanz- und Wirtschaftskrise verschonte selbstredend nicht die Beschäftigten der Banken und Finanzinstitute. Das Banken- und Finanzsyndikat Aleba veröffentlichte in der Dezemberausgabe der Mitgliederzeitschrift „Aleba-Info“ Zahlen und Kommentare zu den Auswirkungen der Krise auf den Finanzsektor.

 

Während das statistische Amt Statec für Ende 2009 einen spürbaren Rückgang der Rezession und für 2010 ein wirtschaftliches Wachstum von 2,1 Prozent vorsehe, hätten die Finanzaktivitäten für das zweite Trimester 2009 einen Rückgang von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen müssen, so die Aleba, die darauf verweist, dass dieser Rückgang größer war als der des ersten Trimesters 2009.

Laut Zahlen der Zentralbank hat das Personal am Bankenplatz zwischen September 2008 und September 2009 um 770 Angestellte abgenommen, dies entspricht einer Quote von 2,82 Prozent.

Reelle Zahlen sind höher

Die reelle Zahl der verlorenen Arbeitsplätze, so das Syndikat, sei allerdings höher. Der Abbau von Interimärposten und externer Mitarbeiter, sowie die Nicht-Verlängerung von Zeitverträgen seien hier nicht mitgerechnet. Außerdem, so unterstellt die Aleba, sei die genaue Zahl der Arbeitgeber, die in Vorruhestand gingen, höher als angegeben.
Die Krise habe den Prozess der Konzentration im Luxemburger Finanzsektor zwar nicht ausgelöst, sie habe ihn aber beschleunigt.

Da die Mehrheit der Finanzinstitute in Luxemburg Filialen seien, würden die Entscheidungen von den ausländischen Muttergesellschaften bzw. in einzelnen Fällen von der Europäischen Kommission genommen. Der Arbeitsplatzschwund werde sich durch die Restrukturierungsmaßnahmen der Muttergesellschaften fortsetzen.

Jüngste Beispiele seien 74 Arbeitsplätze, die bei RBC Dexia verschwinden sollen und 143 Stellen, die bei der Dexia BIL (zusätzlich zu den 78 bereits in diesem Jahr angekündigten abgebauten Arbeitsplätzen) abgebaut werden sollen.

Vor der Übernahme der BGL durch BNP Paribas seien 112 Posten nicht ersetzt worden, was der Bank eine Einsparung von zehn Millionen Euro erlaubt habe. Über 400 Menschen arbeiten zurzeit bei den deutschen Banken LBBW und WestLB, so die Liste der Aleba weiter, die beide von Verkauf oder Schließung bedroht seien.

Die Auswirkungen der ING-Restrukturierung auf den Platz Luxemburg seien noch nicht bekannt und die BGL, die zwar offiziell keine Entlassungspläne habe, habe in der Bilanzvorstellung des ersten Semesters 2009 bedeutende Personaleinsparungen angedeutet.

Die Wirkung des Strategieplans der KBC sei ebenfalls noch nicht bekannt.

Im Versicherungssektor nennt das Syndikat u.a. 49 Entlassungen bei Clerical-Medical, die auf strategische Überlegungen und nicht auf die Krise zurückzuführen seien.

Zusammenbruch bleibt möglich

Die Krise im Finanzsektor sei trotz einiger positiver Meldungen noch nicht vorbei. Es sei überhaupt nicht klar, ob die aktuelle punktuelle Erholung nicht etwa auf die großen Konjunkturprogramme der Regierungen zurückzuführen sei. Einen Zusammenbruch der Wirtschaft, nach dem Ende dieser Programme, schließt die Aleba nicht aus.
Der Konkurs der US-Bank CIT im November dieses Jahres habe gezeigt, wie instabil die internationale Finanzwelt zurzeit sei.

Die Spekulation geht munter weiter und die großen internationalen Banken haben laut Bankensyndikat die Kredite der staatlichen Rettungspläne für neue spekulative Transaktionen genutzt.

„Die spekulative Blase wächst jeden Tag“, so zitiert die Aleba den amerikanischen Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini der Stern School of Business (Universität von New York). Roubini hatte bereits das Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten vorhergesagt.

In den vergangenen Monaten hätten sich manche gewundert, so das Syndikat, das unterstreicht, dass es sich um die gleichen Banken handele, die ganz nahe am Zusammenbruch gewesen und mit Milliardenbeträgen vom Steuerzahler gerettet worden seien, die jetzt wieder Riesengewinne machten.

Business as usual!

Die gleichen Banken also, die angaben, sie hätten aus der Krise gelernt, würden jetzt weitermachen wie gehabt und wieder enorme Prämien an Manager auszahlen.
Die Gehälter der Manager an der Wall Street erreichten 2009 die Rekordsumme von 140 Milliarden Dollar: 20 Prozent mehr als im Vorjahr. In Luxemburg seien diese Zahlen offiziell nicht bekannt.

Die Fed (US-Zentralbank) habe Ende Oktober mitgeteilt, die Zahl der Immobilienkredite („sub-prime“) liege wieder bei 20 Prozent, also auf dem Niveau vor der Krise. Währenddessen nehme die Spekulation ständig seltsamere Züge an. So beschrieb die Financial Times Deutschland Investoren, die auf Aktien von Zombie-Banken, also Instituten, die es überhaupt nicht mehr gibt (wie Lehmann Brothers), setzen.

Alles in allem schaut die Aleba demnach nicht allzu optimistisch ins neue Jahr. Politische Reaktionen auf die Studie waren gestern nicht zu bekommen. Robert Schneider

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