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Im Schatten der Wirtschaft

Die Zunahme der Schwarzarbeit hatte die Schattenwirtschaft in Deutschland zu einem Boomsektor gemacht. Jetzt haben Minijobs den Trend gewendet

Veröffentlicht par KaptanListe die 01/11/2004 | 539 Ansichten

Der Anteil der Schwarzarbeit am gesamten Bruttoinlandsprodukt wurde von Prof. Dr. Friedrich Schneider (Universität Linz) auf 16,5% geschätzt.

Diese “Wachstumsbranche” hatte in 2002 noch um 6,2% zugenommen.

500 000 Arbeitsplätze könnten im Handwerk zusätzlich geschaffen werden, würde nicht illegal gearbeitet.

Klaus Wiesehügel sagte dazu aus der Sicht der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU):

„Über Dumpinglöhne und miese Arbeitsbedingungen, insbesondere bei den Subunternehmen, ist der Bau- und Bauarbeitsmarkt inzwischen ruiniert worden. Dabei hat sich eine unheilige Allianz von Auftraggebern, Generalunternehmern und Subunternehmern herausgebildet, die zu Lasten aller Beteiligten von diesem System profitiert.“

Von den 950.000 legal Beschäftigten im Bauhauptgewerbe sind 650.000 gewerbliche Arbeitnehmer; hinzu kommen nach Schätzungen 400.000 illegal beschäftigte Arbeitnehmer.

Friedrich Schneider sieht hier einen Zusammenhang zu Regelungen wie Mini-Jobs und der gesetzlichen Fixierung eines Mindestlohns:

„Höhere Strafen allein bekämpfen nur die Symptome der Schattenwirtschaft, sind unter Umständen teuer und führen nicht zum gewünschten Erfolg. Gelingt es mittel- bis langfristig nicht, die hohen Nebenkosten des Faktors Arbeit wieder wesentlich zu verringern, und gelingt es nicht, viele kleine Zusatzarbeiten pauschaliert steuerlich und sozialversicherungsmäßig abzugelten und hierfür hohe Freigrenzen für die schon offiziell in der Wirtschaft Beschäftigten zu schaffen, wird man die Schattenwirtschaft nicht effizient bekämpfen können.“

Nach Schneiders neuester Studie sollen 2004 in Deutschland 358 Milliarden Euro in die Schattenwirtschaft fließen; das seien 12 Miliarden weniger als noch 2003. Diese Trendumkehr, der erste seit Jahrzehnten, ist nach Einschätzung des Schwarzmarkt-Experten vor allem auf die Einführung der Mini-Jobs zurückzuführen.

Quellen:

“Die Krankenversicherung“, 54. Jg., 9/2002

Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), „Bekämpfung von Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit: Notwendige Maßnahmen aus der Sicht des Handwerks“;

Klaus Wiesehügel, „Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung im Baugewerbe: Notwendige Maßnahmen zur Bekämpfung aus der Sicht der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU)“

Prof. Dr. Friedrich Schneider (Universität Linz), „Zunehmende Schattenwirtschaft in Deutschland: eine wirtschafts- und staatspolitische Herausforderung

“Deutsche arbeiten weniger schwarz”

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Meffo
7081 Kommentare
Vor 16 Jahren

I/2004 bis III/2004 haben in der Region Trier 39 Unternehmer im Handwerk Insolvenzantrag gestellt.
Im ganzen Jahr 2003 waren es noch 41 Fälle gewesen.

Insbesondere bei den Bau- und Ausbaugewerken ist ein Rückgang der Nachfrage zu verzeichnen.

www.hwk-trier.de