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Student in Luxemburg

Im Land, wo früher die Schornsteine rauchten, sollen jetzt die Köpfe qualmen. Ein Gespräch zwischen Minister und Studenten

Veröffentlicht par KaptanListe die 04/11/2004 | 865 Ansichten

Der “Journée officielle” der REEL ( “Réunion européenne des étudiants luxembourgeois” ) fand dieses Jahr in Lausanne (CH) statt, unter Beteiligung des neuen Luxemburger Hochschulministers François Biltgen. Dabei fielen eine Reihe bemerkenswerter Äußerungen, insbesondere für die Zukunft der Universität Luxemburg und ihrer künftigen Studenten.

Die Universität Luxemburg soll zu einer Denkfabrik werden, die Lösungen für die Zukunft des Landes liefert. Daneben soll sie auch ganz praktisch Berufsausbildung bieten zu Industrie-Ingenieuren, Lehrern und Sozialarbeitern.

Am 11. Januar 2005 wird die Uni in Klausur gehen, um über sich nachzudenken. Daran sollen auch Studentenschaft und Zivilgesellschaft beteiligt werden.

Luxemburger Studenten schmeckt das neue Hochschulgesetz nicht so recht. Der Minister aber hält es für verfrüht, es schon wieder zu abzuändern. Wenig begeistert sind die Studenten davon, dass das Gesetz ihnen vorschreibt, ein Auslandssemester zu absolvieren. Einerseits sei ein Semester zu wenig, andererseits erscheint es auch nicht sinnvoll, daraus gleich eine Pflicht für alle zu machen.

Ein anderer Stein des Anstosses: Die Universität Luxemburg soll auf drei Standorte verteilt werden, voraussichtlich Esch-Belval, Dommeldingen, Kirchberg oder Limpertsberg (noch keine Entscheidung). Auch hierdurch werden Studenten zu Reisenden in Sachen Wissensgesellschaft gemacht. Der Minister verspricht, dass nach Belval Einrichtungen wie Rockhalle, Kinos und Restaurants kommen sollen. Welche Vorstellung hat der Minister wohl vom heutigen Studentenleben? (Vielleicht sollte man besser mobile Studierplätze zwischen den drei Standorten vorsehen, etwa in Form einer Bücher-Trambahn mit Schlepptopp-Anschlüssen?!)

Immerhin ist sich der Hochschulminister hierin mit dem Beschäftigungsminister vollkommen einig und strikt dagegen, dass Studenten als Lohndrücker ausgenutzt werden. Studenten dürfen zu regulären Bedingungen arbeiten, d.h. zu vollem Tarif bzw. Mindestlohn. Der Zugang von Studenten aus Drittländern zum Arbeitsmarkt werde demnächst durch eine EU-Direktive geregelt.

Wer informiert wen?

Der Minister hat sich bereit erklärt, die Druckkosten des Studentendachverbands ACEL für den nächsten “Guide du futur étudiant” zu übernehmen. Das ist in Luxemburg nach wie vor die maßgebliche Informationsquelle darüber, wo man was studieren kann.

Indessen: Die Orientierung der Luxemburger Schüler über ihre schulische Karriere obliegt CEDIES.

Nur Gott ist sicher

Als sicheren Arbeitsplatz für die Zukunft kennt Luxemburgs Beschäftigungsminister bislang nur das Priesteramt. Er hat somit die Armee vergessen, deren Kernkompetenz doch die Produktion von Sicherheit ist.
Immerhin ist die Arbeitslosenquote in der Kategorie der Hochschulabgänger am niedrigsten.

Und sofort nach Beendigung des Studiums sich bei der ADEM melden! empfiehlt Minister Biltgen.

Quelle:
Alex Fohl, “Hochschulminister Biltgen zu Gast bei der REEL in Lausanne. Zugeständnisse an Studenten”, “Tageblatt” 2.11.2004

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Meffo
7081 Kommentare
Vor 16 Jahren

heißt demnach also:
Studieren in, um und um Luxemburg herum!
Und bitte schön, wenn's geht, auch über Luxemburg!

À propos Theologie:
Die einzige Sicherheit, die sicher ist, ist die Sicherheit, welche man sich einbildet.