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Uni arbeitet und kämpft

Lebt denn die neue Uni noch? Ja, ja, sie lebt noch! Sie lebt noch - und schlägt sich durch!

Veröffentlicht par KaptanListe die 15/12/2004 | 553 Ansichten

Über die Hälfte der Luxemburger sind für eine Universität Luxemburg. Außenstehende überrascht das weniger. Es erstaunt eigentlich viel eher, dass über ein Drittel der Befragten eine Universität für Luxemburg nicht unbedingt für das notwendige Ding halten.


Eigene Sprache: ja, Eigene Uni: nein?

Es scheint, dass die Jungfrau Maria und der Großherzog es bislang mit dem Großherzogtum gut genug gemeint haben. Mussten vor nunmehr undenklichen Zeiten noch Luxemburger als Wirtschaftsflüchtlinge nach Nordamerika auswandern, so wurde seitdem das Großherzogtum nicht nur mit einem eigenen Staat, sondern mit einer Schwerindustrie und danach dem Bankenplatz reichlich beschert.


Wozu also jetzt eine Universität?

Na ja, Europa wurde ein Lissabon-Prozess verschrieben. Wer nicht fragt, bleibt dumm! So heißt es schon in der Sesamstraße.
Kostet das aber nicht unnötig viel Geld und bringt gleichzeitig nur unnötigen Ärger mit Lehrern und Intellektuellen? (Eine neue Parallelgesellschaft kündigt sich an!)

Mittlerweile weiß ein jeder, dass Lissabon etwas mit Wissensökonomie zu tun hat. Und wenn Luxemburg einmal bessere Schüler bekommen will, dann braucht es erst einmal bessere Profs.

Die Gründung der Universität war aber erst mal ein genialer Einfall von ganz oben. Dementsprechend wurde das entsprechende Universitätsgesetz abgefasst. Somit gibt es seit Beginn eine Anzahl grauer Eminenzen [Wer den Film mit den drei Musketieren gesehen hat, erinnert sich bestimmt an den Kardinal Richelieu!], die hinter verschlossenen Türen zu tagen und zu entscheiden pflegen.

Nun sind da aber auch in Luxemburg einige akademisch Beflissene, welche die Idee sofort für prima befunden hatten und gerne mitmischen wollten.
Wie immer jedoch, wenn sich eine Initiative von oben und eine von unten mitten in der Mitte oder sonstwo (d.h. in den betreffendend Gremien oder Kommissionen) treffen, dann entsteht bei diesem Zusammentreffen herrliche Gelegenheit für einen wunderbaren Zoff.

Gerne engagieren sich alle begeistert an der Schaffung einer neuen Universität – aber wir kennen ja selber die Situation, wenn man voll engagiert endlich mal in seiner Firma loslegt – und ganz dabei den Chef vergisst. Kann leicht passieren, dass man für die Katz gearbeitet hat – und hinterher allerorten nur reiner Frust herrscht. Und dies umso schlimmer, wenn noch keiner so recht weiß, wer überhaupt der Chef ist. Oder was das für eine Firma.

Luxemburg kennt nicht nur den Konsens, sondern hat bei aller scheinbaren Mauschelei auch eine gewisse Streitkultur. [Wo bleibt eigentlich die Hochschul-Ausgabe des “”Feierkrop”“?!]

Daher kommt schließlich diese Feststellung voll erwartbar:


“Die Universität könnte sich mittelfristig gezwungen sehen, die Richtung selber zu bestimmen und notfalls gegen den Wortlaut des Gesetzes Fakten schaffen – im Vertrauen auf die normative Kraft des Faktischen. So wie die Dinge sich entwickeln, läuft alles auf eine Machtprobe hinaus.” (Michel Pauly)

Mehr Info:

Michel Pauly, “Die Uni macht längst ihre Arbeit”, “forum für Politik, Gesellschaft und Kultur“ Nr. 242, Dezember 2004, am Kiosk für 5 €

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Hamisso
2364 Kommentare
Vor 16 Jahren

Wie in Deutschland und Frankreich, so geht auch in Luxemburg die Wissenschaft mehr oder weniger gezwungenermaßen ihre Wege des Fortschritts außerhalb von universitär regulierten Bahnen.

Aktuelles Lehrbeispiel ist derzeit gerade
Gaston Schaber, Initiator des "Centre d'études de populations, de pauvreté et de politiques socio-économiques / International Network for Studies in Technology, Environment, Alternatives, Development" (CEPS/Instead )

www.ceps.lu

Als in Brüssel das Thema Armutsbekämpfung auf der Tagesordnung stand, hatte er 1974 für Luxemburg ein entsprechend Forschungsprojekt gestartet.
Ohne Unterstützung der Regierung.
Denn diese befand damals, dass es Armut in Luxemburg nicht gebe.

Und man kann ja Forschung nur fördern über Fragen, die die Regierung nicht selbst schon beantworten kann!

„15 Jahre CEPS: Vor Ort forschen, global handeln“,
http://www.wort.lu/articles/4257183.html