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Unterhaltung

Der Kampf allein genügte nicht

Die TBB Trier verliert ihr Auswärtsspiel bei EnBW Ludwigsburg trotz vollem Einsatz mit 77:64. Stärkste Akteure waren Philip Zwiener (Foto, 22 Punkte) und John Bynum (9 Punkte, 4 Steals).

Veröffentlicht par KaptanListe die 03/11/2011 | 490 Ansichten

Wieder einmal prallten zwei Basketball-Philosophien aufeinander: EnBW Ludwigsburg ist ein offensiv geprägtes Team, mit starken Einzelspielern wie Alex Harris, Mark Dorris oder John Bowler qualitativ besser besetzt als der bisher belegte 14. Tabellenplatz vemuten ließ. DIe TBB Trier dagegen ist unter Henrik Rödl stark defensiv orientiert, steht als Kollektiv zusammen und sucht ihre Chance über eine starke Verteidigung, die schon so manchem nominell stärkeren Gegner den Schneid abgekauft hat – in der letzten Saison funktionierte das gegen den heutigen Gegner sogar gleich zweimal.

Die Partie begann vor 2747 Zuschauern in der EnBW-Arena nervös, die Anfangsphase war geprägt von Ballverlusten – TBB-Co-Trainer Thomas Päch sollte die Atmosphäre im Interview auf www.basketball-stream.de nach dem Spiel als “komisch” bezeichnen – der Druck, der nach fünf verlorenen Spielen in Folge auf den Gastgebern lastete, sei deutlich zu spüren gewesen, so der 28jährige Berliner. Doch die Barockstädter wurden mit der Anspannung fertig, konnten offensiv systematisch punkten und stellten Henrik Rödls Team unter dem eigenen Korb mit einer konsequenten Zonenverteidigung vor Probleme. Die Punkte von Philip Zwiener zum 2:2 sollten lange die einzigen für Trier bleiben, zunächst spielte nur Ludwigsburg. Donatas Zavackas trifft gegen Oskar Faßler zum 6:2, John Bowler kann sein Team unbedrängt von Maik Zirbes aus der Mitteldistanz zum 10:2 schießen – Trier war verzweifelt auf der Suche nach seinem Rhythmus, doch der war unauffindbar.

Ludwigsburg arbeitete in der Anfangsphase zudem gut im Rebound, gestattete Trier wenige zweite Chancen. Nach einem Dreier des starken Jeff Greer zum 13:2 nahm ein sichtlich genervter Henrik Rödl die erste Auszeit, um seine Mannschaft auf Kurs zu bringen – der 11-Punkte-Vorsprung der Hausherren war viel zu einfach zustande gekommen. Nach der Standpauke war Rödls Team wie ausgewechselt, ein Alley Oop von Maik Zirbes nach Zuspiel von Joyce wirkte wie ein Weckruf – Johannes Lischka kann noch einmal zum 15:4 punkten, danach spielten nur noch die Gäste. Ein weiterer Dunk von Zirbes nach Vorarbeit von John Bynum zum 15:8 zwingt Ludwigsburgs Coach Markus Jochum zur Auszeit – und auch aus der kam Trier nur stärker zurück. Mit einer konsequenten Ganzfeldpresse wurde jetzt ein Ballverlust nach dem anderen erzwungen, Trier nutzte eiskalt das Fehlen von Ludwigsburg Aufbauspieler Jerry Green aus, der an einem Bänderriss laboriert. Die Barockstädter zeigten jetzt Nerven im Ballvortrag, Trier erzielte mit dieser Taktik 13 Punkte in Folge und konnte sich zum Viertelende eine 19:22-Führung erarbeiten, vor allem John Bynum zeigte hier seine defensiven Qualitäten.

Das zweite Viertel dieses nicht hochklassigen, aber amüsanten Basketballspiels begann mit fünf schnellen Punkten von Ludwigsburgs Center Kurt Looby, der die Trierer Offensive im weiteren Spielverlauf außerdem noch mit fünf geblockten Würfen vor Probleme stellen sollte. Ludwigsburg schien sich in der Viertelpause neu sortiert zu haben, spielte jetzt wieder konzentrierter, Trier kann zwar die Führung halten, sich aber nicht absetzen. Ein schönes Pick and Roll von Dru Joyce auf Andreas Seiferth zum 25:26, ein Offensivrebound von Dragan Dojcin mit anschließendem Korbleger zum 25:28 und vor allem die wichtigen Punkte des heute gut aufgelegten Philip Zwiener ließen Trier mit einem hauchdünnen 34:35 in die Kabine gehen. Positiv in dieser Phase auch die harte Reboundarbeit mit zehn Offensivrebounds für Trier.

Dru Joyce markierte gleich nach der Halbzeit fünf Punkte am Stück zum 34:40, Trier hätte davonziehen können, wurde aber durch Dreier von Zavackas und Mark Dorris umgehend wieder “einkassiert” – nach einem vergebenen Dreier von Dru Joyce kann John Bowler den Ausgleich per Dunking zum 42:42 herstellen. Trier hatte jetzt auf beiden Seiten des Parketts Probleme mit den Trefferquoten – die eigene war zu schlecht, die der Ludwigsburger geriet aus Trierer Sicht zu gut, untypisch für die sonst so konzentrierte Trierer Defense. Jetzt zogen die Hausherren weg, lagen zum Viertelende nach einem Dreier von Johannes Lischka mit 56:48 in Front.

Diese komfortable Führung konnte Ludwigsburg im letzten Viertel aufrecht halten, Trier hatte nach wie vor Probleme und/oder Pech im Abschluss. Zweieinhalb Minuten vor dem Ende setzte Routinier Donatas Zavackas mit dem 68:57 den ersten Sargnagel von der Dreierlinie – Ludwigsburg hatte vor allem in der zweiten Halbzeit seine offensive Klasse ausspielen können. Trier hielt stark dagegen, konnte die Schwaben aber nicht stoppen und tat sich vor allem weiterhin gegen eine gut organisierte Zonenverteidigung schwer. John Bynum macht den Rückstand kurz vor Ende nochmals einstellig (70:61), doch Ludwigsburg ließ nichts mehr anbrennen, den Schlusspunkt zum verdienten 77:64 setzte Mark Dorris. In der Barockstadt ist man nach dem ersten Sieg in sechs Spielen sichtlich erleichtert und glücklich über Platz 13, Trier rutscht vor den schweren Spielen gegen Berlin, Bayern München und Bamberg auf Platz 15.

 

Triers Topscorer Philip Zwiener: “Wir haben das Spiel in der Defensive verloren, haben nicht kompakt genug gestanden. Da hat jeder Fehler gemacht, die nicht passieren dürfen. Das war eine enttäuschende Niederlage, da kann ich mich auch nicht über meine 22 Punkte freuen.”

Co-Trainer Thomas Päch: “Wir hatten einen komischen Start in die Partie, Ludwigsburgs Druck nach fünf  Niederlagen war deutlich zu spüren. Kurz vor der Halbzeit haben wir leider verpasst, uns entscheidend abzusetzen. In der zweiten Halbzeit waren wir dann defensiv nicht so auf der Höhe, wie man das von uns kennt. Ludwigsburg hat zu viele freie Würfe bekommen – wir haben dagegen unsere freien Würfe nicht getroffen. Es ist wirklich sehr ärgerlich, da wäre heute deutlich mehr drin gewesen.”

(Interviews: www.basketball-stream.de, Fotos: Heiko Schmitz.)

Fotos: Heiko Schmitz

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