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Unterhaltung

Harter Kampf und leere Hände

Die TBB Trier wehrt sich mit allem, was sie hat gegen den Deutschen Meister Brose Baskets Bamberg. Eine Sensation wäre mehr als verdient gewesen, blieb aber aus.

Veröffentlicht par KaptanListe die 27/12/2011 | 1.089 Ansichten

26 Sekunden sind noch zu spielen in der Arena Trier, der aktuelle Tabellensiebzehnte TBB Trier hat dem Deutschen Meister und Pokalsieger Brose Baskets Bamberg alles, aber wirklich alles abverlangt. Bambergs Brian Roberts verwirft einen Dreier, der Rebound ist unter dem Jubel der gut gefüllten Arena in den Armen von Triers Dru Joyce. Es steht 63:63 – die Partie wird in die Verlängerung gehen. Das allein ist im Prinzip Sensation genug, doch im Sport zählen nun mal zwei Punkte – und die fuhren am Ende mit nach Franken.

Die Partie begann hektisch, beide Seiten ließen zunächst Punkte liegen; vor allem die TBB patzte am offensiven Brett und brauchte einige Minuten bis sie sich in ihre Systeme finden konnte. In der Zwischenzeit punktete Bamberg, ein Dreier von Routinier Casey Jacobsen und Punkte von Anton Gavel bedeuteten eine 1:5 -Führung für die Gäste. Doch Trier fing sich, arbeitete nach den ersten Anlaufschwierigkeiten gut in der Verteidigung – der Lohn der Mühe war der 5:5-Ausgleich durch einen spektakulären Korbleger von Nate Linhart. Dru Joyce hatte hinten Gavel den Ball geklaut und seinen alten Teamkollegen von den Akron Zips unter dem Bamberger Korb auf die Reise geschickt.

Die Partie nahm Fahrt auf. Und diese Fahrt nutzten die Hausherren: Dru Joyce wird beim Korbleger zum 12:10 von Anthony Tucker gefoult, vor dem fälligen Bonusfreiwurf nimmt Bambergs Coach Chris Fleming die erste Auszeit. Kurz später muss er wieder eine bestellen: Zirbes und nochmal Dru Joyce hatten in rascher Folge zum 16:10 getroffen. Die Ansage an das Gästeteam fruchtete, Bamberg intensivierte seine Verteidigungsarbeit, es dauerte wieder seine Zeit, bis die TBB Trier darauf reagieren konnte. Der mittlerweile eingewechselte John Bynum setzt sich 38 Sekunden vor Ende des ersten Viertels zum 18:12 durch, doch Bamberg bleibt cool. Julius Jenkins netzt mit der Sirene zur Viertelpause einen Distanzwurf zum 19:17 ein. Auffällig bei Trier nach zehn Minuten: Gute Reboundarbeit (12:10), dafür ausbaufähige Quoten aus dem Feld und eine lausige Freiwurfquote (3 von 7).

Trier hielt die Intensität auf beiden Seiten des Feldes auch im zweiten Viertel hoch. Einiges davon wirkte nicht unbedingt systematisch, war aber erfolgreich, wie beispielsweise die getroffenen Mitteldistanzwürfe der beiden Center Andreas Seiferth und Maik Zirbes, nachdem sich James Washington irgendwie durch die Bamberger Defense gewurstelt hatte: Wer trifft, hat recht, sagt das Sprichwort. Kurioses dann in der sechsten Minute des zweiten Viertels: Hallensprecher Chris Schmidt erhielt von Robert Lottermoser ein Technisches Foul ohne Vorwarnung, weil er sich über einen ausgebliebenen Foulpfiff nach einer Aktion an Maik Zirbes echauffierte, Bamberg nutzt die zwei Freiwürfe zum 23:23-Ausgleich.

Die TBB ließ sich aber auch von solch unerfreulichen Zwischenfällen nicht entmutigen, ein wuchtiger Block des stark aufspielenden Maik Zirbes gegen Karsten Tadda zeigte deutlich die Ambitionen; Bamberg dagegen spielte phasenweise immer noch ein wenig unter seinen Möglichkeiten. Ein sicher verwandelter Dreier von Nate Linhart hätte die 32:29-Führung zur Pause bedeutet, doch Bambergs Youngster Philip Neumann trifft den Buzzer zum 32:31 – ein Basketballspiel, an dem wirklich alles dran war, ging in die Halbzeit.

Im dritten Viertel machte Bamberg ernst, ließ die individuelle Klasse und die Coolness des Spitzenteams aufblitzen. Die Franken liefen ihre Systeme und trafen ihre Dreier immer wieder im genau richtigen Moment. Trier konnte sich nur mit Mühe im Spiel halten, auch Rödls Auszeiten nutzten wenig. Bamberg setzte sich bis zur Viertelpause mit 46:55 ab – deutlich aber noch lange nicht vorentscheidend.

Denn die TBB hatte absolut kein Interesse, den Deutschen Meister und Pokalsieger noch weiter davonziehen zu lassen – auch ein Zehn-Punkte-Rückstand beim Stand von 48:58, als Casey Jacobsen wieder seinen “Lieblingsdreier” getroffen hatte, brachte Trier nicht aus dem Konzept. Maik Zirbes gelingt ein Dreipunkt-Spiel nach Foul von Tibor Pleiß, Nate Linhart, dem wie immer der Kampfeswille ins Gesicht geschrieben stand, legt mit schönem Floater zum 53:58 ein – wieder mal muss Chris Fleming die Auszeit nehmen, um seinem Team deutlich zu machen, was daran nicht stimmt, wenn der Tabellensiebzehnte einem EuroLeague-Team fünf Punkte in Folge einschenkt.

Doch Linhart war mit Bamberg noch lange nicht fertig: ein Steal in der eigenen Hälfte, ein schneller Antritt, und das Opfer des “Balldiebstahls”, Caseys Jacobsen, kann nur noch zusehen, wie Linhart den Ball einhändig ins Bamberger Netz prügelt: 55:58 steht’s in einer kochenden Arena Trier die auf einmal 5446 Stehplätze hat. Dru Joyce nimmt jetzt das Heft in die Hand, geht alleine zum 57:58 durch – die TBB hat alle Chancen, den Meister zu stürzen. Zum Ende der regulären Spielzeit steht es 63:63 nach einem Dreier von Brian Roberts und Punkten von Philip Zwiener. Der letzte Ballbesitz gehört Trier, doch Dru Joyce verlegt, Maik Zirbes’ Rebound mit Tip-In kommt Sekundenbruchteile zu spät: Verlängerung.

In der fünfminütigen Zugabe hat Bamberg die deutlich besseren Karten auf der Hand, als Anton Gavel zweimal hintereinander von der Dreierlinie trifft – DAS war vorentscheidend, es steht erst 65:69, dann 67:72, für Trier trifft Philip Zwiener zum 69:72. Sekunden vor Schluss liegt es wieder an Trier, wenigstens die zweite Verlängerung zu sichern, Washington trifft einen Freiwurf, aber der unermüdlich ackernde Maik Zirbes bekommt gegen harte Gegenwehr den Tip In nicht im Bamberger Korb unter. Der Endstand 70:75 “entsteht” dann an der Freiwurflinie.

Die TBB Trier bleibt vorerst auf dem Abstiegsplatz. Wieder einmal hat die Mannschaft von Henrik Rödl an der Sensation geschnuppert, hatte im dritten von drei Spitzenspielen wieder eine klare Siegchance, konnte die Punkte aber nicht nach Hause holen. Wichtig wäre das definitiv beim nächsten Auswärtsspiel bei den Walter Tigers Tübingen.

(Archivfoto: Thewalt)

     

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