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Unterhaltung

Knoten, Klatschen, Kellerkinder

Die TBB spielt in Tübingen besser, als das Endergebnis glauben macht - aber schlechter als dringend nötig wäre.

Veröffentlicht par KaptanListe die 31/12/2011 | 1.071 Ansichten

Nein, eine Klatsche war es nicht. Da hatte TBB-Co-Trainer Thomas Päch nicht unrecht, als er sich im Interview mit basketball-stream.de nach der Partie gegen die Walter Tigers Tübingen vehement gegen die Verwendung der unschönen Bezeichnung für die hohe Niederlage seiner Mannschaft aussprach.

Päch, normalerweise eher für einen kollegial-sachlichen Tonfall in Interviews bekannt, war die Enttäuschung klar anzumerken, als er etwas genervt erklärte, was am Ende den zahlenmäßig viel zu großen Unterschied von 20 Punkten ausmachte: Die TBB hatte den Start in die Partie verschlafen, dazu kam ausgeprägtes Wurfpech in entscheidenden Situationen. In der Folge mussten die Trierer einem Rückstand hinterherlaufen, schafften es mit einer großen Energieleistung auch tatsächlich noch, bis auf sechs Punkte heranzukommen, bevor in der Schlussphase dann wieder alles für die hochmotivierten Gastgeber aus Tübingen lief. Und dann, so ein Gesetz dieses Sports, kann ein Spiel tatsächlich mal so deutlich verloren gehen, ohne dass man so klar unterlegen ist, wie die Anzeigetafel vermuten lässt. Soweit Päch.

Die faktische Erklärung lieferte sein Chef Henrik Rödl gleich im Anschluss: In der Schlussphase hatte der Trierer Coach in einem engen Spiel alles auf eine Karte gesetzt, ließ Ganzfeldpresse spielen, ließ taktisch foulen. “Nach der Auszeit und dem Drei-Punkte-Spiel von Tübingens Adnan Hozic mussten wir durch die Presse natürlich andere Räume aufmachen. So kommen zwanzig Punkte Unterschied zustande. Wenn das jetzt im Ergebnis schlecht aussieht, dann ist es eben so, ich glaube aber nicht, dass man in einer solchen Situation viele andere Möglichkeiten hat. Wir waren auf sechs Punkte dran, haben gekämpft ohne Ende, hatten unsere Chancen.”

Keine Klatsche also, sondern eine erklärbare 85:65-Niederlage – aber immer noch kein geplatzter Knoten.

Trier in der zuletzt gewohnten Startformation mit Joyce, Linhart, Zwiener, Dojcin und Zirbes startete schwach gegen Tübingens Lou Campbell, Vaughn Duggins, Reggie Redding, Tyrone Nash und Neuzugang Pavelas Cukinas. Die TBB geriet schnell mit 6:0 in Rückstand, geschuldet war das Unstimmigkeiten in der eigenen Offense und einer intensiven Doppelverteidigung der Tigers, die vor allem Triers Aufbauspieler Dru Joyce hart an die Kandare nahmen. Tübingen hatte Fastbreak-Chancen und konnte zu einfach verwerten, bevor Zwiener die ersten Punkte für die Gäste erzielen konnte. Doch Trier fand sich, erarbeitete sich Wurfmöglichkeiten und konnte schließlich durch Dru Joyce mit 8:10 in Führung gehen. Dennoch: Tübingen war von Anfang an wacher, spritziger auf den Füßen, spielte mit voller Konzentration in der Verteidigung und schnell in der Offense. Vor allem Neuzugang Vaughn Duggins war immer den berühmten Schritt zu schnell, auch Joshua Young, der viel Energie von der Bank brachte und seinen Dreier zum 15:14 traf, stellte die zu diesem Zeitpunkt noch wackelige Trierer Abwehr vor Probleme . Mit 19:14 ging es in die erste Viertelpause; Trier nervös, die Gastgeber mit deutlichem Oberwasser. 

Das sollte sich im zweiten Abschnitt fortsetzen: Trier hatte zahlreiche offene Chancen am Tübinger Brett, scheinbar todsichere Bälle drehten sich wieder aus dem Korb – man mag es Wurfpech nennen. Tübingen dagegen spielte und traf, Ruben Spoden macht die Führung per Dreier zweistellig: 25:14, Auszeit Trier. Doch auch das half nicht, Trier hatte in dieser Phase arge Mühe, dranzubleiben. Auch die kleinen Dinge liefen jetzt aus Sicht der TBB verkehrt, wie im Fall von Maik Zirbes, der einen Drei-Sekunden-Pfiff genau in dem Moment erhielt, als James Washington einen sauber ausgespielten Dreier traf. Doch Rödls Team gab, mal wieder, nicht auf, kämpfte sich zurück in eine schwierige Partie, in der Dru Joyce von Lou Campbell und seinen Kollegen immer noch so gut wie kaltgestellt war. James Washington zieht beherzt zum Korb und trifft zum 28:17, Maik Zirbes spielt endlich seine körperliche Überlegenheit gegen Pavelas Cukinas’ Routine aus und dunkt kraftvoll zum 30:23 – das gab Selbstvertrauen und zwang Tübingens Igor Perovic in die Auszeit.

Trier verkürzt zwischenzeitlich auf 31:26, hat alle Chancen, das Spiel noch vor der Halbzeit zu drehen – und dann ist es ausgerechnet Maik Zirbes, der einen entscheidenden Fehler begeht: Der Trierer Center hat bereits zwei Fouls auf dem Zettel, als Schiedsrichter Horst Weichert sein drittes anzeigt. Zirbes soll Cukinas beim Rebound weggedrückt haben, eine diskutable, aber vertretbare Entscheidung. Zirbes schaut ungläubig, lässt sich den Pfiff erklären – und donnert im Wegdrehen frustriert den Ball auf den Boden, anstatt ihn, regelgemäß, dem Schiedsrichter zu übergeben. Weichert gibt das – korrekte – Technische Foul gleich hinterher, Zirbes muss kurz vor der Halbzeit mit vier Fouls auf die Bank; ein Bruch im Trierer Spiel, zur großen Pause steht es wieder 41:34, Tübingen hatte sich mit unangenehmer Spielweise bis tief in die Köpfe der Gäste vorgearbeitet.

Dass die TBB nach dieser Schwächung nicht schon früher “weg vom Fenster” war, ist Andreas Seiferth zu verdanken. Der junge Center vertrat Maik Zirbes mehr als gekonnt, zeigte Präsenz am Brett und trug die Trierer mit einer glänzenden Offensivleistung fast alleine durch den Beginn der zweiten Hälfte. Insgesamt sieben Punkte gelangen Seiferth bis zur Mitte des zweiten Viertels – wieder war Trier auf sechs Punkte herangekommen, wieder musste Tübingen in die Auszeit.

Was immer Igor Perovic seinen Männern jetzt gesagt hatte, es half: Die Tigers kommen zurück aufs Parkett und legen in der mit 3132 Zuschauern ausverkauften Paul-Horn-Arena einen 14:2-Lauf hin, dem Trier fast tatenlos zusehen muss. Duggins und Nicloai Simon treffen aus der Distanz, dazu hatten die Hausherren jetzt ihre Freiwurfschwäche aus der ersten Hälfte einigermaßen im Griff.  Erst John Bynum, der sich ansonsten über weite Strecken in der kompakten Tübinger Defense festrannte, konnte den Bann mit seinen Punkten zum 62:46 brechen – da war Tübingen schon fast uneinholbar weg, vor der letzten Pause steht die Anzeigetafel bei 64:51 für die Tiger.

Doch wieder: Trier kämpft, arbeitet unermüdlich, intensiviert nochmals seine Defense, produziert “Stops”, also Tübinger Ballverluste. Das rentiert sich, der Vorsprung schmilzt. John Bynum gelingt ein Dreipunktspiel zum 64:54, mit zwei weiteren Freiwürfen macht er den Vorsprung wieder einstellig. Trier spielt Ganzfeldpresse, doch Joshua Young trifft per Dreier zum 71:57 – wieder scheint Tübingen weg, wieder bleibt Trier dran. Zwei Dreier von Nate Linhart und Oskar Faßler lassen die 100 mitgereisten Trierer Anhänger jubeln, es steht 71:63. Maik Zirbes, der schon recht früh mit seinen vier Fouls zurück aufs Parkett kam und davon recht unbeeindruckt weiter spielte, trifft zwei Freiwürfe: 71:65, noch dreieinhalb Minuten. Es ist jetzt das enge Spiel, von dem Henrik Rödl wenige Minuten später reden wird – und das es schon viel früher hätte sein müssen, damit bei Trier endlich der vielzitierte Knoten platzen könnte. Denn es lief nach wie vor für die Tigers, Philip Zwiener vergibt, im Gegenzug trifft Adnan Hodzic mit Foul und Freiwurf zum 74:65. In der Endphase kippt der Endstand mit 85:65 dann in Richtung “Klatsche” – ein Ergebnis, das auch Tübingens Coach Igor Perovic als “zu hoch” empfand.

Das ändert indes nichts: Die TBB Trier kann die zuvor gegen die “großen drei” gezeigte Intensität nicht aufs Parkett bringen und bleibt schon wieder punktlos. Das bedeutet aktuell weiter einen Abstiegsplatz mit einer Bilanz von 8:22 Punkten, bei einem Spielplan, der nicht unbedingt für Trier spricht – mit Bonn und Oldenburg warten in den nächsten beiden Spielen zwei unangenehme Gegner, gegen die trotzdem Punkte hermüssen, um die anderen Kellerkinder hinter sich zu lassen.  

(Foto: Heiko Schmitz)

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